Online-Tagung

Sprachhandlungskompetenz im Kindergarten fördern

Gruppe von Kindergartenkindern
Tagungsleitung
Karoline
Sammann
Titel
Diplom-Sonderpädagogin
Funktion
Senior Lecturer
Tel. direkt
E-Mail
karoline.sammann [at] hfh.ch
Britta
Massie
Titel
Dr. rer. biol. hum.
Funktion
Senior Lecturer
Tel. direkt
E-Mail
britta.massie [at] hfh.ch

Überblick der Tagung

Mit Hilfe der Sprachhandlungskompetenzen werden Kommunikationssituationen im Alltag erfolgreich bewältigt. Im Kindergartenalter bedeutet das z.B. sich bedanken und um etwas bitten, einfache Gesprächsregeln einhalten oder eine kurze Geschichte verständlich erzählen können. Nicht alle Kindergartenkinder verfügen aus ganz unterschiedlichen Gründen, z.B. Spracherwerbsstörungen, Mehrsprachigkeit, allgemeine Lernschwierigkeiten über die notwendigen pragmatisch-kommunikativen Kompetenzen.

Die Tagung geht insbesondere folgenden Fragen nach:

  • Was wissen wir über den Erwerb der Sprachhandlungskompetenz?
  • Wie kann der Sprachstand im Bereich der pragmatisch-kommunikativen Fähigkeiten erfasst werden?
  • Welche Förderkonzepte gibt es? Welche Konzepte sind besonders für die Arbeit im Kindergarten geeignet?

 

Diese Tagung findet im Rahmen des Jubiläums 2021: Bildung für Alle – 20 Jahre HfH statt. Mehr Informationen zum Jubiläum

Tagungsprogramm

Es erwarten Sie spannende und informative Referate sowie Interviews mit den Hauptreferenten, die sie über den gesamten Tagungszeitraum (vom 1. bis 13. März 2021) abrufen können. Sieben Workshops zu festen Terminen werden online angeboten. Sie können sich zu zwei Workshops anmelden und alle anderen Workshops nach der Durchführung digital abrufen, um auch einen Einblick in weitere Themen zu erhalten. Über den Tagungszeitraum werden live Chats und Diskussionen zu spezifischen Themen der Tagung angeboten, denen Sie jederzeit beitreten können. Sie haben also viele Auswahlmöglichkeiten, um die Themen zu wählen, die Sie interessieren und Sie für Ihren Arbeitsalltag gebrauchen können.

Referate
Referat 1: Pragmatisch-kommunikative Kompetenzen - Stephan Sallat , Prof. Dr.

In den letzten Jahren ist eine verstärkte Sensibilität und Aufmerksamkeit für den Bereich Pragmatik zu beobachten. Obwohl das Ziel jeder sprachlichen Intervention die Übertragung geförderter / therapierter Fähigkeiten in das alltägliche Sprachhandeln sein sollte, wurde diesem Bereich wenig Beachtung geschenkt. Die Ursachen liegen einerseits in der Komplexität eines situations- und kontextangemessenen Sprachgebrauchs in den Bereichen Situations- und Kontextverhalten, Textverarbeitung / -produktion sowie Kommunikationsverhalten / Gesprächsführung mit dem Zusammenwirken von intrapersonellen (Verstehen, Erkennen) sowie interpersonelle Fähigkeiten (Produzieren, Anwenden). Zum anderen sind Basiskompetenzen in den Bereichen Sensorik, Motorik, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Mimik / Gestik, Psyche etc. sowie sprachstrukturelles Wissen notwendig und ihr Zusammenwirken in der kindlichen Sprachentwicklung ist unklar. Im Vortrag wird daher ein Überblick als Grundlage für die Förderung pragmatischkommunikativer Kompetenzen gegeben.

Stephan Sallat, Prof. Dr. Professor für Pädagogik bei Sprach- und Kommunikationsstörungen, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Referat 2: Sprachhandlungskompetenz - Simone Kannengieser, Prof. Dr.

Ausgangspunkte des Vortrags sind frühe diskursive Fähigkeiten von Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Diese Fähigkeiten ermöglichen kommunikative Partizipation, und umgekehrt entstehen und wachsen diese Fähigkeiten mit kommunikativer Partizipation. Für die Förderung ist es nützlich, den Fördergegenstand «Sprachhandeln» gut zu kennen. Deswegen vertiefen sich die Tagungsteilnehmenden mithilfe des Beitrags beispielhaft in bestimmte Sprachhandlungen. Sie erfahren etwas über die Entwicklung dieser Sprachhandlungen. Die Referentin begibt sich zudem auf die Suche nach Möglichkeiten der individualisierten Förderung von Sprachhandlungskompetenzen auf der gesamten Spanne der Entwicklung während gemeinsamer Gruppenaktivitäten.

Simone Kannengieser, Prof. Dr. Leiterin Professur für Berufspraktische Studien und Professionalisierung, FHNW

Referat 3: Sprachförderliches Verhalten von Fachpersonen - Cordula Löffler, Prof. Dr. phil.

Für die Sprachförderung im Kindergarten lassen sich Sprachförderprogramme von der alltagsintegrierten Sprachförderung abgrenzen. Während sich Sprachförderprogramme an einzelne Kinder richten und in Kleingruppen ausserhalb der Kindergartengruppe durchgeführt werden, kommt die alltagsintegrierte Sprachförderung allen Kindern in unterschiedlichen Situationen des Kindergartenalltags zugute. Dabei setzen die Fachpersonen Sprachförderstrategien ein, die sie an die sprachlichen Bedürfnisse der Kinder und die Situation anpassen. Der Vorteil ist, dass sich die Sprachförderstrategien auf eine konkrete Sache oder reale Äusserungen des Kindes beziehen und vom Kind somit leichter in das sprachliche Handeln aufgenommen werden können. Darüber hinaus lassen sich Sprachförderstrategien im Dialekt wie auch in der Standardsprache einsetzen.

Cordula Löffler, Prof. Dr. phil. Leiterin Masterstudiengang Alphabetisierung und Grundbildung, Leiterin Bachelorstudiengang Logopädie, PH Weingarten

Workshops
Workshop 1 Mit Musik geht es leichter – Musikalische Förderung vorsprachlicher und kommunikativer Fähigkeiten bei Kleinkindern

Am Anfang des Lebens stellt Sprache für das Gehirn eher eine Art Musik dar – beides sind akustische Phänomene, von denen das Neugeborene zunächst nur Elemente wie Lautstärke, Betonung, Melodie etc. wahrnimmt. Erst mit der Zeit kann das Kind sprachspezifische Informationen verarbeiten. Dazu sind auch die Interaktionen. Mit den Bezugspersonen und der Umwelt von grösster Bedeutung. In diesem Beitrag stehen die vorsprachlichen Fähigkeiten im Mittelpunkt und wie wir diese durch musikalische Spiele fördern können. Zwei unterschiedliche Konzepte zur musikalischen Förderung der Sprache werden vorgestellt. Durch Musik zur Sprache (DMzS), ins Leben gerufen von der Musiktherapeutin Prof. Dr. Tüpker (Universität Münster) und Kinder entdecken Kommunikation durch Musik (MusiKeK), aktuelles Forschungsprojekt der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Datum: Mo, 1. März 2021

Uhrzeit: 16.30 – 17.30 Uhr

Workshopleitung: Vera Weinbrenner, MA Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Workshop 2: Sprachhandlungskompetenzen bei Kindern mit Autismus Spektrum Störung

Die Sprachhandlungskompetenz ist eine wichtige Voraussetzung für eine gelingende Kommunikation beziehungsweise soziale Interaktion. Sprachhandlungskompetenz ist bei Kindern mit Autismus Spektrum Störung (ASS) häufig beeinträchtigt. Eine optimale Förderung und Unterstützung ist dann möglich, wenn die beteiligten Fachpersonen aus Logopädie und Pädagogik ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Zielorientierung entwickeln. Ausgehend von der Klärung der Begrifflichkeiten ASS und Sprachhandlungskompetenz im Kontext von ASS werden diagnostische Beobachtungsverfahren und alltagsorientierte Fördermöglichkeiten im Kindergarten vorgestellt.

Datum: Di, 2. März 2021

Uhrzeit: 17.30 – 18.45 Uhr

Workshopleitung:

  • Christina Arn, lic. phil. Senior lecturer Institut Behinderung und Partizipation, HfH
  • Matthias Lütolf, MA Senior lecturer Institut Behinderung und Partizipation, HfH
Workshop 3: Mit «Mimi und Brumm» den Schriftspracherwerb vorbereiten

Der erfolgreiche Schriftspracherwerb ist nicht nur für den Bildungserfolg bedeutsam, sondern auch für die aktive Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in unserer Gesellschaft. Eine intakte phonologische Sprachverarbeitung stellt eine wichtige Lernvoraussetzung für den gelingenden Schriftspracherwerb dar. Im Workshop stellen wir dazu Förderansätze für Kinder ab dem Vorschulalter vor und zeigen, wie Übungen und Spiele durch Leitfiguren (Handpuppen, Figuren) belebt werden können.

Datum: Mi, 3. März 2021

Uhrzeit: 15.00 – 16.00 Uhr

Workshopleitung:

  • Brigitte Hepberger, MMag. Senior lecturer Institut für Sprache und Kommunikation unter erschwerten Bedingungen, HfH
  • Claudine Kopp, MA Schulische Heilpädagogin, Puppenspielerin
Workshop 4: Das Förderkonzept «SPRINT» – Kommunikative Kompetenz im Kindergarten fördern

Mit unseren Sprachhandlungskompetenzen bewältigen wir Kommunikationssituationen im Alltag erfolgreich. Nicht alle Kindergartenkinder verfügen aus ganz unterschiedlichen Gründen, z. B. Spracherwerbsstörungen, Mehrsprachigkeit, allgemeine Lernschwierigkeiten über die notwendigen kommunikativen Kompetenzen. Im Kindergartenalter bedeuten diese z. B. um etwas bitten, einfache Gesprächsregeln einhalten oder eine kurze Geschichte verständlich erzählen können. Mangelnde sprachliche Kompetenzen können Bildungsbenachteiligungen nach sich ziehen. Dieser Workshop zeigt, anhand des neu entwickelten Sprachförderkonzepts «SPRINT» auf, wie die Förderung der kommunikativen Kompetenz integrativ und in Kleingruppen mit Kindergartenkindern im Kindergarten über die Medien Spiel und Bewegung motivierend umgesetzt werden kann.

Datum: Mo, 8. März 2021

Uhrzeit: 16.30 – 17.30 Uhr

Workshopleitung:

  • Sabrina Mühlemann Psychomotoriktherapeutin edk, Primarschule Opfikon, Kindergartenlehrperson
  • Karoline Sammann, Dipl. Päd. Senior lecturer Institut für Sprache und Kommunikation unter erschwerten Bedingungen HfH, Fachleiterin Therapien, Primarschule Opfikon
Workshop 5: Bewegte Sprache – Bewegungsorientierte Sprachförderung in der frühen Kindheit

Kinder nutzen Sprache von klein auf vielfältig und individuell. Sie äussern ihre Bedürfnisse mit allen ihnen zur Verfügung stehenden nonverbalen und verbalen Mitteln. In diesem praxisorientierten Workshop werden Sie eingeladen, sich mit den Grundlagen einer bewegungsorientierten Sprachbildung für Kinder im Alter von Null bis sechs Jahren zu beschäftigen. Ausgehend von der Körperlichkeit des Kindes, soll Sprachentwicklung im Rahmen von bewegungsorientierten Angeboten angeregt werden. Neben der Vorstellung aktueller Erkenntnisse, bietet der Workshop praktische Anregungen zur Verknüpfung sprachlicher und motorischer Ausdrucksmöglichkeiten.

Datum: Di, 9. März 2021

Uhrzeit: 17.00 – 18.00 Uhr

Workshopleitung: Nadine Madeira Firmino, Prof. Dr. Professorin für frühe sprachliche Bildung Inklusionsbeauftragte, Mitglied des Senats, FH Düsseldorf

Workshop 6: Erzählerisch Sprachkompetenzen fördern

Seit Jahrzehnten wird die Methode der Inputspezifizierung erfolgreich in der logopädischen Therapie bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen eingesetzt. Neue Erkenntnisse zeigen, dass die gezielte Aufbereitung von Input in Form von Hörgeschichten und / oder Erzählungen auch in der Sprachförderung mehrsprachiger Kinder zielführend eingesetzt werden kann. Somit eignet sich die Methode für Fachpersonen, die integrativ im Kindergarten arbeiten. Im Kurs wird die Methode der Inputspezifizierung vorgestellt und aktuelle Erkenntnisse werden dargelegt. Es wird besprochen, in welcher Form der Input für die Sprachförderung aufbereitet werden muss. Die Teilnehmenden lernen erste Schritte zur Anwendung der Methode auf Material, das im Kindergarten vorhanden ist.

Datum: Mi, 10. März 2021

Uhrzeit: 16.00 – 17.30 Uhr

Workshopleitung: Britta Massie, Dr. rer. biol. hum. Senior lecturer Institut für Sprache und Kommunikation unter erschwerten Bedingungen, Dozentin Bachelorstudiengang Logopädie, HfH

Workshop 7: «Erzählst du mir was?» Erzählfähigkeit fördern und unterstützen

Seit Jahrzehnten wird die Methode der Inputspezifizierung erfolgreich in der logopädischen Therapie bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen eingesetzt. Neue Erkenntnisse zeigen, dass die gezielte Aufbereitung von Input in Form von Hörgeschichten und / oder Erzählungen auch in der Sprachförderung mehrsprachiger Kinder zielführend eingesetzt werden kann. Somit eignet sich die Methode für Fachpersonen, die integrativ im Kindergarten arbeiten. Im Kurs wird die Methode der Inputspezifizierung vorgestellt und aktuelle Erkenntnisse werden dargelegt. Es wird besprochen, in welcher Form der Input für die Sprachförderung aufbereitet werden muss. Die Teilnehmenden lernen erste Schritte zur Anwendung der Methode auf Material, das im Kindergarten vorhanden ist.

Datum: Do, 11. März 2021

Uhrzeit: 16.30 – 18.00 Uhr

Workshopleitung: Nitza Katz-Bernstein, Prof. Dr. Professorin (im Ruhestand) für Pädagogik und Rehabilitation der Kommunikation und Sprache, Senior Research Professor, TU Dortmund

Fakten

Kursnummer: 2021-80

Datum: 1.-13. März 2021

Maximale Teilnehmer: 200

Anmeldeschluss: 23. Februar 2021

Kosten: CHF 230

Zielgruppe: Kindergartenlehrpersonen, Logopädinnen und Logopäden, Psychomotoriktherapeutinnen und –therapeuten, DaZ-Lehrpersonen

Detailprogramm zur Tagung Sprachhandlungskompetenz im Kindergarten fördern
Teilnahme an einer Online-Tagung
Durch Sprachförderung zu Kompetenz und Partizipation (Artikel aus "heilpädagogik aktuell", Ausgabe 25 - Herbst 2018)