Detail Page

Skipnavigation

Forschung Aktuelle Seite Projekte

Inhalt

Hier beginnt der Seiteninhalt:

Zusammenhang von Spracherwerbsstörungen und Illettrismus

Ausgangslage und Ziele

Die breit angelegte Studie „Adult Literacy & Life Skills Survey“ von 2005 zeigt, dass rund 15% der Schweizer nur sehr schlecht lesen können (vgl. Hertig & Notter 2005). Diese Menschen haben die Schule besucht, konnten jedoch im Unterricht nicht ausreichend gefördert werden. Daher reichen ihre Lese- und Schreibfähigkeiten auch im Erwachsenenalter nicht aus, um den gesellschaftlichen und beruflichen Anforderungen in ihrem Leben gerecht zu werden.

Lernbiographien von Betroffenen zeigen, dass ihre Probleme mit dem Lesen und Schreiben bereits während der Schulzeit bestanden haben. Viele von ihnen geben als Ursache für das niedrige Lese- und Schreibniveau eine Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) im Grundschulalter an. Darüber hinaus zeigen sich auch im Erwachsenenalter bei vielen Menschen, die von Illettrismus betroffen sind, noch Auffälligkeiten in der gesprochenen Sprache (vgl. Löffler 2005).

Sprachkompetenzen werden als wichtige Faktoren im Schriftspracherwerb angesehen. Schwierigkeiten im vorschulischen Spracherwerb und Spracherwerbsstörungen sind gemäss verschiedener Studien bedeutsame Vorhersagevariablen für LRS (vgl. Catts et al. 2002; Nash et al. 2013). Da sowohl Spracherwerbsstörungen sowie Lese-Rechtschreibstörungen mitunter hochpersistent sind, kann angenommen werden, dass Menschen mit Illettrismus im Erwachsenenalter auch in der gesprochenen Sprache Auffälligkeiten zeigen.

Die sprachlichen Fähigkeiten und Schwierigkeiten von Erwachsenen mit einer Illettrismus-Problematik wurden bislang nicht hinreichend untersucht. Die vorliegende Studie hat zum Ziel, die Zusammenhänge zwischen sprachlichen Beeinträchtigungen und schriftsprachlichen Leistungen bei diesen Erwachsenen eingehender zu beschreiben, um Schwerpunkte einer sprachspezifischen Förderung, insbesondere von Kindern mit sprachlichen Beeinträchtigungen, abzuleiten.

Fragestellung

  • Inwieweit zeigen sich Zusammenhänge zwischen den lautsprachlichen und den schriftsprachlichen Leistungen bei Menschen mit Illettrismus im Erwachsenenalter?
  • Zeigen sich Auffälligkeiten in den metasprachlichen Fähigkeiten?
  • Gibt es lernbiographische Gemeinsamkeiten?

Methodisches Vorgehen

In der Studie wird explorativ vorgegangen, es werden insbesondere Methoden aus der qualitativen Forschung angewendet.

Zur Erforschung der Lernbiographien von Menschen mit Illettrismus bieten sich Interviews  an. Sie werden als teilstandardisierte Befragung entlang eines Leitfadens durchgeführt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.

Die Leitfadeninterviews werden zusätzlich für die Analyse der gesprochenen Sprache genutzt. Hierzu werden die Interviews aufgezeichnet, anschliessend transkribiert und eine Spontansprachanalyse durchgeführt. Weitere sprachliche, sowie metasprachliche und schriftsprachliche Fähigkeiten werden mit Hilfe von Testverfahren erfasst.

Betroffene werden über die Kurse ‚Lesen und Schreiben für Erwachsene’ des Vereines Lesen und Schreiben deutsche Schweiz gesucht und angesprochen.

Ergebnisse

Mit Hilfe der Untersuchungsergebnisse soll sich zeigen, inwieweit Auffälligkeiten in der gesprochenen Sprache bei Erwachsenen mit Illettrismus auftauchen und ob es Ähnlichkeiten im Erscheinungsbild von sprachlichen, metasprachlichen und schriftsprachlichen Auffälligkeiten gibt.

Aus den Ergebnissen dürften sich zahlreiche praktische Auswirkungen hinsichtlich der Professionalisierung ergeben, sowohl für den Bereich der Erwachsenenbildung als auch für die schulische Förderung des Schriftspracherwerbs insbesondere bei Kindern mit sprachlichen Beeinträchtigungen.

Fakten

Laufzeit
01/2016-12/2018
Nr.
4_33

Projektleitung

Schweizer Hochschule für Logopädie Rorschach

Projektteam

Kontakt

Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 81

zfe[at]hfh.ch zfe