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Grenzen von Neurotechnologien bei Lern- und Verhaltensproblemen

Auf Millisekunden und Millimeter genau kann die Hirnforschung Gehirne von Kindern mit Lern- und Verhaltensproblemen vermessen. Dabei kann präzise untersucht werden, welche Hirnregionen beeinträchtigt sind – etwa bei einer Dyskalkulie, Dyslexie oder ADHS. Das legt die Frage nahe, die bei der Ringvorlesung vom 12. September 2018 im Zentrum stand: Ist es möglich, diese Hirnregionen bei Kindern und Jugendlichen ganz gezielt mit Hilfe modernster Neurotechnologien zu stimulieren?

«Es gibt derzeit noch zu wenig Studien darüber», sagt PD Dr. Karin Kucian, Neurobiologin am Zürcher Kinderspital. Man kenne jedoch das Potential und auch die Grenzen einzelner Formen der Neurostimulation. Drei hebt sie speziell hervor. Erstens: das Neurofeedback. «Das kann positive Effekte haben, etwa bei einer ADHS, ihr Einsatz ist aber schwieriger, als es manchmal den Anschein macht», so die Neurobiologin. Zweitens: die transkranielle Magnetstimulation (TMS), bei der eine Magnetspule am Schädel angelegt und die darunter liegende Hirnaktivität per Knopfdruck rauf- oder runtergefahren werden kann. Karin Kucian differenziert: «Die TMS ist nützlich bei neurologischen Krankheiten wie Depression, Schlaganfall oder Epilepsie, aber kaum erforscht bei Lern- und Verhaltensproblemen». Drittens: die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS). Dabei wird mittels am Schädel angelegter Elektroden ein Gleichstrom erzeugt. «Das ist günstiger und portabler als die TMS», sagt die Forscherin, schränkt aber gleichzeitig ein: «Trotz einiger Studien zur ADHS und Dyslexie ist auch diese Methode insgesamt noch zu wenig erforscht.» Allgemein sei die externe Stimulation eines Gehirns im Kindesalter ethisch besonders knifflig, weil sich das Gehirn noch mitten in der Entwicklung befinde und unpassende Interventionen besonders gravierende Konsequenzen hätten: «Kinder sind keine kleinen Erwachsenen», fasst die Neurobiologin diesen heiklen Punkt aus der Sicht der Hirnforschung zusammen.

Fazit: Das Ziel, Kindern mit Lern- und Verhaltensproblemen mittels Neurotechnologien gezielt und langfristig zu helfen, ist nicht erreicht. Und auch wenn es eines Tages erreicht werden sollte, wären die betroffenen Kinder immer noch darauf angewiesen, die bestmögliche Förderung zu bekommen – in Form eines guten Unterrichts, einer gezielten Therapie und exzellenten Fachpersonen. Das betont denn auch Karin Kucian am Schluss ihres Vortrags: «Am wichtigsten sind und bleiben möglichst optimale Lernbedingungen für das einzelne Kind.»

Autoren:
Dominik Gyseler, Dr., Wissenschaftskommunikation
Steff Aellig, Dr., Wissenschaftskommunikation

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