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Vortrag Gebärdensprachgemeinschaft und Gebärdensprachtechnologie

Thomas Hanke beim Referieren Thomas Hanke beschäftigt sich in seinem breiten Aufgabenfeld auch mit den rechtlichen und ethischen Aspekten von Gebärdensprachkorpora. (Foto: HfH)

Sprachtechnologien spielen in unserer digitalisierten Umgebung eine immer größere Rolle. Am 5. November 2019 referierte mit Thomas Hanke ein ausgewiesener Experte zum Thema Gebärdensprachtechnologien. Hanke ist Mitarbeiter im Institut für Deutsche Gebärdensprache der Universität Hamburg und im Leitungsteam des DGS-Korpus-Projektes.

Sprachtechnologien
Die meisten Hörenden haben sich inzwischen mit automatischen Ansagen, etwa auf Bahnhöfen, oder sprachgestützten Menüs beim Anruf bei einer Bank oder Versicherung abgefunden, und viele Leute nutzen automatische Übersetzung, um einen ersten Eindruck von Texten in einer unbekannten Sprache zu bekommen. Bei Siri, Alexa & Co., bei denen man per Sprache Befehle oder Fragen an einen elektronischen Assistenten stellt, gehen die Meinungen über Nützlichkeit und Bedienkomfort weit auseinander. Es bleibt daher abzuwarten, ob sprachliche Kommunikation zwischen Mensch und Maschine eines Tages die derzeit vorherrschenden graphischen Oberflächen von Computern und Smartphones ersetzen werden.

Hatte man sich zu Anfang dieser Bewegung auf wenige Sprachen beschränkt, für die ausreichend Language Resources zur Verfügung standen, war in den letzten Jahren der Fortschritt bei «kleineren» Sprachen beeindruckend. Zusammen mit signifikanten Fortschritten im Bereich der Computer Vision lässt dies eine ähnliche Entwicklung für Gebärdensprachen erwarten.

Damit stellt sich für die Gebärdensprachgemeinschaft die Frage, wie man sich zu entsprechender Forschung verhält. So muss man von Ankündigungen von Zugausfällen oder Verspätungen per gebärdendem Avatar nicht begeistert sein, solange die Information verständlich ist und eine Informationslücke gegenüber hörenden Mitbürgern geschlossen wird. Und Siri, die Befehle in Gebärdensprache entgegennehmen und die Antworten auch gebärden könnte, wäre sicherlich für technophile Gehörlose genau so cool wie für andere überflüssig – genau so wie bei Hörenden. Hier bedeutet weitere Forschung, Gebärdensprachbenutzer von technologischen Entwicklungen nicht auszugrenzen.
Dennoch ist die Situation in Bezug auf Gebärdensprache eine ganz andere, zielen doch einige Akteure im Feld darauf ab, innerhalb relativ kurzer Frist per automatischer Übersetzung für die Kommunikation zwischen Hörenden und Gehörlosen Gebärdensprachdolmetscher*Innen überflüssig zu machen. Wer hier auch noch vollmundig Arzt-Patienten-Kommunikation als Anwendungsdomäne auswählt, hat die Komplexität der Übersetzung zwischen Gebärden- und Lautsprachen massiv unterschätzt. Hier ist nicht zuletzt die Forschung im Bereich Gebärdensprachdolmetschen gefordert, die Qualität von Dolmetschleistungen so bestimmen zu können, dass automatische Systeme evaluiert und somit etwa Fehlentwicklungen durch falschgeleitete Förderpolitik vermieden werden können.

DSG-Korpus
In einem weiteren Teil des Vortrags gewährte Thomas Hanke einen Einblick in das DGS-Korpus-Projekt. Bisher ist die Deutsche Gebärdensprache (DGS) nur wenig erforscht. Ziele des DGS-Korpus-Projekts sind die Sammlung und Aufbereitung gebärdensprachlicher Daten in einem annotierten Korpus sowie die Erstellung eines korpusbasierten elektronischen Wörterbuchs DGS – Deutsch. Hanke ist seit Projektbeginn im Leitungsteam und dort als Projektkoordinator tätig. Ausserdem beschäftigt er sich in seinem breiten Aufgabenfeld mit den rechtlichen und ethischen Aspekten von Gebärdensprachkorpora.
Im Rahmen des DSG-Korpora-Projekts wurden 330 Informantinnen und Informanten aus den verschiedenen Regionen Deutschlands paarweise beim Dialog in Gebärdensprache gefilmt. Diese Daten wurden zu einem Korpus zusammengestellt. Ein Team aus gehörlosen und hörenden Mitarbeitenden am Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser erschliesst und wertet diese Daten aus.
Videofilme im Umfang von über 50 Stunden können online und mit Untertitel angesehen werden:

Meine DGS Link Plattform
Die Plattform «Meine DGS» ist für die Gebärdensprachgemeinschaft gedacht (Gehörlose, Dolmetscherinnen und Dolmetscher, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern, DGS Interessierte). Aktuelles Oberthema ist der Mauerfall vor 30 Jahren.

Forschungsportal Link Forschungsportal
Diese Seite wendet sich an Personen, die Gebärdensprachen erforschen und an jene, die an der DGS, Gebärdensprachgemeinschaft oder der Gehörlosenkultur interessiert sind.

Vortragsreihe
Im Rahmen einer Vortragsreihe stellt das Institut für Sprache und Kommunikation unter erschwerten Bedingungen Link Institutsseite seine Schwerpunkte vor. Informationen zu weiteren Veranstaltungen folgen auf www.hfh.ch/agenda Link HfH-Agenda.

 

Autorin: Nora Kasper Link Mitarbeiterübersicht Nora Kasper

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