Tagungsrückblick

Geistige Behinderung und psychische Störung

Im Schatten einer geistigen Behinderung werden psychische Störungen manchmal nicht als solche erkannt – mit schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen und deren Umfeld. In der Tagung «Geistige Behinderung und psychische Störung» vom 17. November 2017 wurden diese Probleme hell beleuchtet. Wussten Sie zum Beispiel, dass bei einer Eskalation der Selbstschutz zwingend an erster Stelle stehen sollte?

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Priska
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Der junge Erwachsene im Wohnheim hat eine besondere Fähigkeit: Er kann den Betreuerinnen aus vier Metern Entfernung genau ins Gesicht spucken. Im Therapiezimmer, am Mittagstisch, in der Pause. Immer und immer wieder. Eine Provokation? «Nein, das ist ein Hilferuf», sagt die Heilpädagogin Olivia Lutz. «Jede Eskalation ist ein Versuch, sich mitzuteilen.»

Hinter einem herausfordernden Verhalten stecken häufig noch andere Ursachen als die geistige Behinderung. Das können etwa Symptome psychischer Störungen sein wie Ängste, Zwänge, Depressionen – oder Aggressionen wie im Beispiel des jungen Erwachsenen. Manchmal liegen aber auch Epilepsien oder die Folgen einer Traumatisierung vor. Im Schatten der geistigen Behinderung werden diese Ursachen jedoch häufig nicht differenziert wahrgenommen, wie die folgende Infografik zeigt.

 

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«Dieses sogenannte Overshadowing erschwert eine präzise Problemanalyse», sagt der Heilpädagoge Alois Grüter. Leuchtet man den ganzen Menschen, seine Biografie und Umwelt jedoch gut aus, wird eine ganze Palette an Zugängen ersichtlich. Die Basis der Förderung ist eine tragfähige Beziehung. «Es braucht eine psychische Begleitung dieser Menschen», sagt Alois Grüter. Bei Medikamenten dagegen fällt die Bilanz gemischt aus. Neuroleptika etwa können bei diagnostizierten psychischen Störungen sinnvoll sein, nützen aber bei gelernten Aggressionen wie der des Spuckens nicht. «In der Praxis wird zwar immer wieder versucht, diese Abkürzung zu nehmen», sagt der Psychiater Christian Schanze, aber ohne Erfolg: «Das führt in eine Sackgasse.» Vielmehr sind pädagogisch-therapeutische Interventionen angezeigt. Olivia Lutz rät den Betreuungspersonen im Beispiel des Spuckenden zunächst einmal zum Selbstschutz: «Wenn er spuckt, dann drehen Sie sich um und zählen innerlich bis drei.» In anderen Fällen kann auch der originelle Einsatz einer Wolldecke Teil des Erfolgsrezepts sein. Wie das genau geht? Das erfahren Sie in der Film-Reportage.

Autoren: Dr. Dominik Gyseler und Dr. Steff Aellig, Wissenschaftskommunikation HfH

Film zur HfH-Tagung «Geistige Behinderung und psychische Störung»

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