Tagungsrückblick

Schule leiten inklusiv!

Neugierde und Interesse an Menschen – das müssen Schulleitende mitbringen, wenn sie ihre Schule inklusiv leiten wollen. Das allein reicht aber noch nicht, um erfolgreich zu sein. Die Teilnehmenden der Tagung «Schule leiten inklusiv!» vom 23. November 2019 setzten sich mit weiteren Schlüsselkompetenzen auseinander.

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Priska
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Sonderpädagogisches Know-how für Schulleitende. Forschung und Praxis scheinen sich einig zu sein: Für das Gelingen einer inklusiven Schule ist die Schulleitung die zentrale Schaltstelle. Doch was bedeutet das ganz konkret? Erstens: wirksame Ressourcensteuerung. Eine gute Schulleitung sorgt dafür, dass in einem System mit knappen Ressourcen die Unterstützung zu jenen Kindern und Jugendlichen gelangt, die sie gerade am meisten brauchen. Zweitens professionelle Fallarbeit. «Gute Schulleitungen zeigen Mut und Kompetenz, dort näher ans Geschehen zu rutschen, wo es brennt!» meint Andrea Lanfranchi, Institutsleiter an der HfH, bei der Eröffnung der Tagung, die in Kooperation mit der PHZH durchgeführt wurde. Und drittens: Sonderpädagogisches Know-How. Sich nicht verführen lassen, komplexe Fragestellungen sofort an externe Fachstellen zu delegieren, sondern selber zur Expertin werden – und sich trotzdem dort Unterstützung von aussen zu holen, wo man sie braucht. «Da müssen Schulleitende eine Balance finden», ist Philippe Dietiker vom Volksschulamt Zürich überzeugt.

«Schulleitungen werden bis anhin fachlich nicht ausreichend auf ihre Aufgaben in der inklusiven Schule vorbereitet», ziehen Esther Albertin und Meike Wolters, die beiden Tagungsleiterinnen, das ernüchternde Fazit aus einer eigenen Untersuchung. Wie lernt man denn, eine Schule inklusiv zu leiten? «Für mich und mein Team kamen die Entwicklungsanstösse meistens von einzelnen Kindern und ihren besonderen Bedürfnissen», erzählt Thomas Minder, Schulleiter in einer kleinen Thurgauer Schule und Präsident des «Verbandes Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz». Handlungsdruck gibt es in Minders Schule immer dann, «wenn Eltern auf uns zukommen und freundlich, aber bestimmt fordern, ihr Kind mit einer Beeinträchtigung soll doch wenn möglich bei uns im Dorf zur Schule gehen können.» Im Video-Interview erzählt Thomas Minder, was aus seiner Sicht weitere Gelingensbedingungen für eine inklusive Schule sind.

Video-Interview mit Thomas Minder

Vier-Rahmen-Modell. Ein praxistaugliches Modell, um die unterschiedlichen Aufgaben und Kompetenzen von Schulleitungen einzuordnen, bietet das Vier-Rahmen-Modell (nach Bolman & Deal, 2013). Die Vision einer inklusiven Schule vorzuleben zum Beispiel lasse sich dem «Symbolischen Rahmen» zuordnen, erklärt David Scheer, Vertretungsprofessor an der PH Ludwigsburg. Das Engagement, auf schulpolitischer Ebene Ressourcen zu aktivieren und für die Ziele der Schule einzutreten, gehöre in den «Politischen Rahmen». Scheer hat die Tauglichkeit dieses Modells für die Arbeit von Schulleitenden empirisch untersucht – und bestätigt gefunden. «Eine kompetente Führungskraft hat alle vier Rahmen verinnerlicht», meint David Scheer, «und kann diese zur Bewältigung von herausfordernden Situationen flexibel einsetzen.» Dieser Prozess wird im Modell als «Reframing» bezeichnet, als Umdeutung oder Perspektivenwechsel.

Ein Modell mit vier Feldern, beinhaltet Struktur, HR, Politik und Symbolischen Rahmen

Sind denn gute Schulleitungen automatisch auch inklusive Schulleitungen?

Diese Frage wurde an der Tagung nur zum Teil beantwortet. So blieben einige Ausführungen zu sehr auf der Ebene von allgemeinen Grundsätzen zu Führung oder Schulentwicklung. Unklar blieb auch, ob man nun von inklusiver oder «nur» von integrativer Schule sprechen soll. «Wir haben bisher erst assoziative Kriterien, was eine inklusive Schule ist», meint denn auch Vera Moser, Professorin an der Humboldt Universität in Berlin. Deshalb sei es wichtig, dass Inklusion nicht als Megathema über einer Schule stehe und das System möglicherweise überfordere. «Schulentwicklung umfasst verschiedene Themen», so Moser, «und Inklusion muss hier gut andocken». Im Video-Interview erklärt Vera Moser, wieso sie Inklusion als «Nordstern» für die Schulentwicklung bezeichnet.

Video-Interview mit Vera Moser

Die Tagung «Schule leiten inklusiv!» fand am 23. November 2019 an der HfH in Zürich statt. Sie war ein Anlass des Instituts für Professionalisierung und Systementwicklung (HfH) in Kooperation mit dem Zentrum Management und Leadership (PHZH) und wurde geleitet von Esther Albertin-Brenzikofer, Meike Wolters-Kohler (HfH) und Niels Anderegg (PHZH).

Autoren: Dr. Dominik Gyseler und Dr. Steff Aellig, Wissenschaftskommunikation HfH

 

Tagungen

Zu aktuellen Themen finden regelmässig Tagungen an der HfH statt. Sie ermöglichen Ihnen, sich innert kürzester Zeit auf den neusten Stand der Fachdiskussion zu bringen und bieten Ihnen die Gelegenheit, mit den Referenten und Referentinnen sowie anderen Fachleuten ins Gespräch zu kommen. Zu aktuellen Tagungen

Weitere Angebote zur Vertiefung

Schulleitende brauchen sonderpädagogisches Know-how. Die HfH bietet weitere Angebote, mit denen Sie Ihr Fachwissen vertiefen können. Beispielsweise den Onlinekurs «Sonderpädagogik für Schulleitungen – kompakt» oder den CAS Schulführung und Inklusion.