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Schulische Integration und Schulübergang

Ausgangslage und Ziele

Für Jugendliche stellt der Übergang von der Primar- auf die Sekundarstufe eine entscheidende Weichenstellung für ihre weitere schulische und auch berufliche Laufbahn dar: Zum einen werden durch die institutionelle Zuweisung auf verschiedene Leistungszüge der Sekundarstufe I die weitere Bildungskarriere und die damit verbundenen sozialen Aufstiegschancen vorgezeichnet. Zum anderen fällt der Übertritt in die häufig als «Sturm-und-Drang»-Phase bezeichnete frühe Adoleszenz, in der ausserschulische Aktivitäten sowie Peers zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Aus sonderpädagogischer Sicht drängt sich die Frage auf, wie erfolgreich Lernende mit besonderem Bildungsbedarf den Übergang von der Primar- auf die Sekundarstufe I bewältigen. Die Relevanz dieser Frage ist vor allem auch auf dem Hintergrund der bildungspolitischen Zielsetzung zu sehen, Lernende mit besonderem Bildungsbedarf vermehrt in der Regelschule zu integrieren. Während Effekte schulischer Integration auf Primarstufe empirisch recht gut abgesichert sind, fehlen diesbezügliche Befunde auf der Sekundarstufe I weitgehend.

Auf diesem Hintergrund ist die allgemeine Zielsetzung des Forschungsprojekts zu sehen: Im Zentrum steht die Frage, wie gut Lernende, die während Primarschule in Regelklassen integriert waren und Schulleistungsschwächen oder Verhaltensauffälligkeiten aufwiesen, auf der Sekundarstufe I schulisch integriert sind.

Fragestellung

Zur Klärung der Hauptfragestellung werden vergleichende Analysen zwischen drei Gruppen von Jugendlichen durchgeführt, nämlich (a) auf Primarschulstufe in Regelklassen integrierte Lernende mit Verhaltensauffälligkeiten oder Schulleistungsschwächen, (b) Lernende in Klein- bzw. Sonderschulklassen und (c) Lernende ohne besonderen Förderbedarf in Regelklassen. Dabei sollen folgende Teilfragestellungen angegangen werden:

  • Wie sehen die Bildungsverläufe der Jugendlichen nach dem Übergang auf die Sekundarstufe I aus?
  • Wie entwickeln sich die Schulleistungen und das Verhalten der Jugendlichen nach dem Übergang auf die Sekundarstufe I?
  • Lassen sich Veränderungen in schulbezogenen, affektiv-kognitiven Selbstbildern der Jugendlichen erkennen?
  • Wie erleben die Jugendlichen den konkreten Unterrichtsalltag im Vergleich zur Freizeit?

Methodisches Vorgehen

Für diese im Längsschnitt angelegte Untersuchung wird auf bereits vorhandene Daten einer im Schuljahr 2008/09 durchgeführten Studie (Projekt D.5) zurückgegriffen. In jener Studie wurden über 800 Lernende aus Regel- und Klein- bzw. Sonderschulklassen der sechsten Primarschulstufe zu schulbezogenen Selbstbildern sowie zu ihrem emotionalen Erleben im unmittelbaren Unterrichtsalltag befragt. Im Rahmen dieses Folgeprojekts werden diese Lernenden, die nun das dritte Schuljahr der Sekundarstufe I besuchen, erneut befragt. Mit einer Teilstichprobe von 120 Jugendlichen wurde zudem mit Hilfe der Experience-Sampling-Method (ESM) das unmittelbare Erleben in Schule und Freizeit erfasst.

Ergebnisse

Aus der Fülle der Ergebnisse seien folgende Befunde herausgestrichen:

  • 90% der Schülerinnen und Schüler, die am Ende der 6. Primarschulstufe besonderen Förderbedarf aufwiesen und in Regelklassen integriert waren, besuchten nach dem Übergang in die Sekundarstufe sowie in den folgenden Schuljahren weiterhin eine Regelklasse. Individuelle Bildungsverläufe zeigen zudem, dass Lernende mit Förderbedarf im Bereich Verhalten häufiger in anspruchsvolleren Leistungszügen zu finden sind als Lernende mit Förderbedarf im Bereich Lernen.     
  • Integrierte Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf erzielen grössere Lernfortschritte, wenn sie auf Sekundarstufe Schultypen mit erweiterten Ansprüchen besuchen und äussern höhere Berufsaspirationen. Anspruchsvollere Leistungszüge scheinen zudem die Wahrscheinlichkeit zu reduzieren, verhaltensauffällig zu bleiben bzw. zu werden.  
  • Auch in Bezug auf das akademische Selbstkonzept zeigen sich erwartungskonforme Resultate: Der Besuch von anspruchsvolleren Leistungszügen hat generell einen negativen Effekt auf das akademische Selbstkonzept (und umgekehrt). 
  • Jugendliche erleben den Unterrichtsalltag generell etwas weniger positiv als die Freizeit. Das Zusammensein mit Gleichaltrigen hat – sowohl in der Schule als auch in der Freizeit – einen positiven Effekt auf die Qualität des Erlebens. Schliesslich haben Jugendliche, die während der Primarschulzeit in Regelklassen integriert waren, am Ende der Sekundarschule in der Freizeit ebenso viele Kontakte zu Peers wie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler ohne besonderen Förderbedarf.

Publikationen

  • Zurbriggen, C. L. A., Venetz, M., & Hinni, C. (2018). The quality of experience of students with and without special educational needs in everyday life and when relating to peers. European Journal of Special Needs Education. Advance online publication. DOI
  • Hofmann, C. & Venetz, M. (2017). Der Einfluss früherer und gegenwärtiger Peer-Erfahrungen in der Schulklasse auf die Wahrnehmung von sozialer Unterstützung. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 49(2), 63-72. DOI
  • Venetz, M. (2016). Schulische Integration effizient erfassen. In S. Hüttche & M.T. Wicki (Hrsg.), Forschung für die Praxis.15 Jahre Forschung und Entwicklung 2001-2016 (S.30-31). Zürich: Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik.
  • Venetz, M. & Zurbriggen, C. (2016). Intensity bias oder rosy view? Zur Diskrepanz habituell und aktuell berichtetem emotionalen Erleben im Unterricht. Empirische Pädagogik, 30(1), 27-42.
  • Zurbriggen, C. & Venetz, M. (2016). Soziale Partizipation und aktuelles Erleben im Unterricht. Empirische Pädagogik, 30(1), 98-112.
  • Zurbriggen, C. (2016). Schulklasseneffekte. Schülerinnen und Schüler zwischen komparativen und normativen Einflüssen. Wiesbaden: Springer VS.
  • Venetz, M. & Zurbriggen, C. (2015). Intensive longitudinal methods – ihre Eignung für die sonderpädagogische Forschung sowie exemplarische Anwendungsmöglichkeiten. Empirische Sonderpädagogik, 7 (3), 194-205.
  • Venetz, M. & Zurbriggen, C. (2015). Faktorenanalyse. In K. Koch & S. Ellinger (Hrsg.), Empirische Forschungsmethoden in der Heil- und Sonderpädagogik (S. 187-193). Göttingen: Hogrefe.
  • Venetz, M. (2015). Schulische Integration und Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf. Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete, 84 (1), 57-59.
  • Venetz, M. (2014). Sozio-emotionale Probleme in der Adoleszenz. Heilpädagogik aktuell, (12), 6. PDF
  • Venetz, M. & Zurbriggen, C. (2014) Integriert während der Primarschule – und dann? Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 20 (5), 38-44. PDF
  • Venetz, M., Zurbriggen, C. & Eckhart, M. (2014). Entwicklung und erste Validierung einer Kurzversion des „Fragebogens zur Erfassung von Dimensionen der Integration von Schülern (FDI 4–6)“ von Haeberlin, Moser, Bless und Klaghofer. Empirische Sonderpädagogik, 6(2), 99-113. PDF
  • Venetz, M. (2012). Kinder mit besonderem Förderbedarf in Regelklassen: Wie erleben sie den Unterricht? Schulblatt Thurgau, 54(1), 8-9.
  • Venetz, M. (2011). Schulische Integration und Schulübergang. Entwicklungschulbezogener Selbstbilder und des emotionalen Erlebens von Lernenden mit besonderem Förderbedarf nach dem Übertritt in die Sekundarstufe I. Projektbeschreibung. Zürich: Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik.

Fakten

Laufzeit
09/2011-07/2015
Nr.
1_11.1

Projektleitung

Kontakt

Zentrum Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 46

zfe[at]hfh.ch zfe