Detail Page

Skipnavigation

Forschung Aktuelle Seite Projekte

Inhalt

Hier beginnt der Seiteninhalt:

Sentence Repetition Test für die Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS-SRT)

Ausgangslage und Ziele

In der Schweiz leben rund 7.500 gehörlose Gebärdensprachbenutzende, ca. 5.500 davon in den deutschsprachigen Kantonen. Sie nutzen die Deutschschweizerische Gebärdensprache (DSGS). Nur die wenigsten von ihnen erwerben die DSGS als Erstsprache, da rund 90-95% aller hörbehinderten Kinder aus hörenden Familien stammen. Gerade innerhalb dieser Gruppe herrscht eine grosse Heterogenität in Bezug auf den Spracherwerb, sowohl hinsichtlich auf Laut- als auch der Gebärdensprache. Daher ist es sehr wichtig, dass Fachpersonen ein Testinstrument zur Verfügung haben, um die Entwicklung in Laut- und Gebärdensprache der Kinder überprüfen zu können. Zurzeit gibt es noch keinen Test für die DSGS.

Ziel des Forschungsprojekts „Sentence Repetition Test für die Deutschschweizerische Gebärdensprache" war es, ein Testinstrument zum Überprüfen der DSGS-Kompetenz hörbehinderter Kinder in Bezug auf unterschiedliche Aspekte wie Phonologie, Morphologie und Syntax aufzubauen. Dieses Testinstrument sollte das Lebensalter der Kinder abbilden können, als auch Unterschiede aufgrund des Alters des Zugangs zu einer Gebärdensprache aufzeigen, sowie gute psychometrische Eigenschaften aufweisen. Zudem werden auftretende Fehler der Probanden analysiert, um ein besseres Verständnis der DSGS-Kompetenz abhängig von Alter und sprachlichem Hintergrund entwickeln zu können.

Methodisches Vorgehen

Entwicklung des Testinstruments (DSGS-SRT)

Nach der Auswertung vorhandener Sentence Repetition Tests (SRT) für Gebärden- und Lautsprachen, die als Adaptionsgrundlage für die DSGS-Testversion dienten, wurden 76 Stimulisätze durch eine Expertengruppe, bestehend aus gehörlosen Fachpersonen, entwickelt. Im Anschluss daran wurden zwei Pilotuntersuchungen mit gehörlosen Probanden durchgeführt: Eine Untersuchung zur Einschätzung des Schwierigkeitsgrades der Sätze und eine zur Zuordnung der Sätze zum relativen Erwerbsalter von Kindern. Die Ergebnisse dieser beiden Pilotuntersuchungen trugen dazu bei, dass die Sätze von 76 auf 60 reduziert werden konnten. In einer weiteren Pilotuntersuchung (inkl. eine Schulung von gehörlosen Testern), wurde der SRT mit drei gehörlosen Erwachsenen und Kindern durchgeführt. Die Ergebnisse trugen zu einem weiteren Ausschluss von 20 Sätzen bei. Gleichermassen wurde die Testanleitung angepasst und einige der Sätze neu aufgenommen. Gleichzeitig wurde ein Auswertungsbogen entwickelt, der später für die Auswertung der Daten verwendet wurde.  

Hauptuntersuchung

Im Rahmen der Hauptuntersuchung wurden 44 hörbehinderte Kinder und Jugendliche im Alter von knapp 7 bis 16 Jahre alt mit dem SRT DSGS getestet. Gleichzeitig wurden Metadaten durch einen Hintergrundfraggebogen erhoben. Von diesen 44 Kindern und Jugendlichen, hatten 32 hörende Eltern und 12 mindestens einen gehörlosen Elternteil. Die Testanleitung, die Übungs- und Testaufgaben wurden auf einem Laptop präsentiert. Die Kinder sollten die unterschiedlichen Sätze anschauen und wiederholen, dabei wurden sie von der eingebauten Webcam des Laptops aufgenommen für die spätere Auswertung.

Ergebnisse

Die maximal zu erreichende Punktezahl war 160. Die höchste durch die Probanden erreichte Punktezahl war 156, die niedrigste 8. Der Mittelwert lag bei 91.55 Punkten. Um sicher zu gehen, dass der SRT für die DSGS auch Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Kindern abbilden kann, wurde untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen den Testergebnissen der Kinder und deren Lebensalter gibt. Die Ergebnisse zeigen, dass ältere Kinder im Durchschnitt höhere Testwerte erzielten als jüngere Kinder. Gleichermassen wurde untersucht, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen den Testergebnissen und dem Hörstatus der Eltern (hörend vs. gehörlos): Im Durchschnitt erzielten gehörlose Kinder gehörloser Eltern (unter Kontrolle des Alters) höhere Testergebnisse als gehörlose Kinder hörender Eltern. Diesem Vorgehen liegt die Annahme zugrunde, dass gehörlose Eltern mit ihren Kindern in einer Gebärdensprache kommunizieren und diese eine Gebärdensprache als Erstsprache erwerben. Während der Zugang zu einer Sprache bei gehörlosen Kindern hörender Eltern sehr heterogener ist.

Weitere statistische Untersuchungen werden zurzeit noch durchgeführt.

Publikationen

  • Enns, C., Haug, T., Herman, R., Hoffmeister, R. J., Mann, W. & Mcquarrie, L. (2016). Exploring Signed Language Assessment Tools in Europe and North America. In M. Marschark, V. Lampropoulou, & E. K. Skordilis (Hrgs.), Diversity in Deaf Education, 171–218. Oxford & New York: Oxford University Press.
  • Haug, T., Notter, Ch. & Perrollaz, R. (2016). Gebärdensprachentwicklung "sichtbar" machen. Visuell Plus, Oktober/November, 22-23.

Vortrag

  • Haug, T., Notter, C., Girard, S. & Audeoud, M. (2015). Constructing Sign Language Tests for Small Deaf Communities The Case of the Sentence Repetition Test for Swiss German Sign Language (DSGS). Vortrag gehalten auf dem 22nd Congress on the Education of the Deaf, Athens.

Kontakt

Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 81

wfd[at]hfh.ch wfd