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Rückblick Fotoausstellung Jérôme Deya: Ein Tabu gebrochen

Gäste an der Vernissage betrachten die Bilder, Gang der HfH, Frau im Rollstuhl mit Hund An der Vernissage vom 24. Oktober waren mehr als 50 Gäste aus der Praxis, Vertreter*innen von Fachverbänden, Betroffene und Interessierte dabei. Auch der Künstler selbst, Jérôme Deya, war vor Ort und stand für Gespräche zur Verfügung. (Foto: Dorothea Hochuli)

Die Fotoserie des französischen Künstlers Jérôme Deya thematisiert Intimität und Beziehung von Menschen mit schweren Körperbehinderungen. Vom 14. Oktober bis 8. November konnte die Ausstellung an der HfH besucht werden. Co-Projektleiterin der Fotoausstellung, Prof. Dr. Susanne Schriber, Leiterin Studienschwerpunkt Pädagogik für Körper- und Mehrfachbehinderte, schaut zurück:

«Es ist Semesterzeit: Mehrere Hundert Studierende eilen durch die Gänge, verweilten auch vor den Bildern von Jérôme Deya. Mehrere externe Besucherinnen und Besucher haben die HfH gezielt wegen der Fotoausstellung ‘ À mon corps dérangeant ’ besucht.

Die Ausstellung wurde kontrovers aufgenommen. Es gab die gesamte Palette: von totschweigen und negieren, hinter vorgehaltener Hand tuscheln, wegschauen, hinschauen, loben, verweilen und so weiter. Wertvoll war für mich, wenn eine Auseinandersetzung stattfand. Egal, ob dabei Zustimmung oder Zurückweisung dominierten. Viele Gespräche wurden ausgelöst.

Hier einige ausgewählte Stimmen:

  • «Die Bilder verletzen meine moralischen Prinzipien … Intimität ist ein Zustand tiefster Vertrautheit, an dem keine aussenstehenden Personen teilhaben sollen, dies, um die Vertrautheit zu schützen.»
  • «Ich war sehr beeindruckt von den Bildern von Jérôme Deya. Diese Bilder werden bei euch im ‹geschützten› Rahmen ausgestellt. Eigentlich müsste man damit in die Öffentlichkeit…»
  • «Die Bilder zwingen mich etwas anzuschauen, das ich nicht sehen möchte, egal ob die Menschen und deren Körper beeinträchtigt sind; ich will keine nackten Liebespaare sehen; ich fühle mich durch die Ausstellung zum Voyeurismus gedrängt.»
  • «Es sind ausnahmslos alles Bilder, welche die Seele berühren. Sie zeigen den Menschen …. In seiner Verletzlichkeit, ungeschminkt, nackt – mit einer Prise Erotik.»

Unberührt blieb kaum jemand. Paul Jandl, Kulturjournalist, schrieb unlängst in der Neuen Züricher Zeitung: ‘Unsere Gesellschaften sind komplex und mehrdeutig, Ambivalenzen gehören dazu. Wir müssen solche aushalten können. Sonst werden wir zu unfrohen Apokalyptiker*innen, deren innere Kompassnadel immer nach unten zeigt’. Auch die Hypermoral, so Jandl, ist letztlich ein bleierner Rettungsring.

Die HfH hat mutig ein Tabu gebrochen, hingeschaut, wo aus verschiedenen Gründen meist weggeschaut wird. Sie hat das Nicht-Sichtbare ins Bild gesetzt respektive Ambivalenzen zugelassen.»

Zum Artikel: Jandl, Peter: Nicht nur im Fall Handke: Wir stecken in der Ambivalenzfalle, in Neue Zürcher Zeitung, 5.11.2019, www.nzz.ch/feuilleton/ambivalenzfalle-nicht-nur-bei-handke-stecken-wir-darin-ld.1519745 (11.11.2019). (nur mit Abo zugänglich)

Zur Medienmitteilung und Medienmappe der Fotoausstellung Link zur Medienmitteilung

Zum Nachbericht der Vernissage Link zum Nachbericht

Zur Bildergalerie der Vernissage Link zur Bildergalerie auf Flickr

 

Autorin: Susanne Schriber, Prof. Dr. Link zur Mitarbeitendenübersicht Susanne Schriber, Leiterin Studienschwerpunkt Pädagogik für Körper- und Mehrfachbehinderte, Leiterin a.i. Studienschwerpunkt Pädagogik für Sehbehinderte und Blinde

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