Angebotssituation der Begabungs- und Begabtenförderung

Kategorie Projekt

Ausgangslage und Ziele

Die Studie untersuchte die Angebotssituation der Begabungs- und Begabtenförderung an Volksschulen der Deutschschweizer Kantone und des Fürstentums Liechtenstein. Grundlage bildete eine Onlinebefragung von Schulleitungen aller Volksschulen. Ziel war es, einen Überblick über bestehende Angebote, deren Organisation, Nutzung und Bewertung zu erhalten. Zudem wurden Einschätzungen zu Ressourcen, Entscheidungsprozessen und zum bestehenden Handlungsbedarf erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Schulen über Angebote verfügt, diese jedoch unterschiedlich ausgestaltet sind und je nach Schulstufe und Schulgrösse variieren. Gleichzeitig wurde deutlich, dass weiterhin Entwicklungsbedarf hinsichtlich Ressourcen, Konzepten und Weiterbildung besteht

Projektleitung

Anuschka Meier-Wyder Titel Dr. phil.

Funktion

Senior Lecturer

Fakten

  • Dauer
    12.2023
    11.2025
  • Projektnummer
    1_33

Finanzielle Unterstützung

  • Stiftung pro Humanitate

Ausgangslage

Die Begabungs- und Begabtenförderung gehört zum Grundauftrag der Volksschule und erfolgt in der Regel im regulären Unterricht sowie teilweise im Rahmen integrativer Förderangebote. Dennoch fehlten bislang systematische Daten zur Art, zum Umfang und zur Umsetzung entsprechender Angebote in den deutschsprachigen Kantonen der Schweiz sowie im Fürstentum Liechtenstein.

Vor diesem Hintergrund führte die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik eine Studie durch, um einen Überblick über die aktuelle Angebotssituation zu gewinnen. Ziel war es, sowohl strukturelle Aspekte der Angebote als auch Erfahrungen und Einschätzungen von Schulleitungen zu erfassen. Die Ergebnisse sollten dazu beitragen, bestehende Lücken sichtbar zu machen und eine Grundlage für die Weiterentwicklung von Förderangeboten sowie für Aus- und Weiterbildungsprogramme zu schaffen.

Die Studie wurde durch Drittmittel der Stiftung pro Humanitate ermöglicht, vermittelt durch den Elternverein hochbegabter Kinder.

Methode

Die Untersuchung basierte auf einer Onlinebefragung von Schulleitungen aller Volksschulen in der Deutschschweiz sowie im Fürstentum Liechtenstein. Die Befragung wurde im Frühjahr 2024 durchgeführt und orientierte sich methodisch an einer früheren Studie zur Begabungs- und Begabtenförderung im Kanton Zürich aus dem Jahr 2020, wodurch Vergleiche ermöglicht wurden.

Insgesamt wurden über 2500 Schulleitungen kontaktiert; mehr als 1000 nahmen an der Befragung teil. Der Fragebogen enthielt überwiegend geschlossene Fragen zu bestehenden Angeboten, deren Organisation, Nutzung und Bewertung sowie zu Ressourcen, Entscheidungsprozessen und Weiterbildungsangeboten. Zusätzlich wurden verschiedene Strukturmerkmale der Schulen erhoben, beispielsweise Schulstufe, Schulgrösse oder Anzahl Schülerinnen und Schüler.

Die Auswertung erfolgte hauptsächlich mittels deskriptiver statistischer Verfahren. Ergänzend wurden Unterschiede zwischen Schulstufen und Schulgrössen untersucht. Offene Antworten wurden inhaltlich kategorisiert und qualitativ ausgewertet.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass die grosse Mehrheit der befragten Schulen Angebote zur Begabungs- oder Begabtenförderung bereitstellt. Rund 91 % der Schulen gaben an, mindestens eine entsprechende Massnahme anzubieten; im Durchschnitt existieren drei bis vier Angebote pro Schule. Häufige Massnahmen sind beispielsweise projektorientierte Lernangebote während der Unterrichtszeit oder das Überspringen einer Klasse.

Insgesamt profitieren etwa 6 % der Schülerinnen und Schüler von spezifischen Angeboten der Begabtenförderung. Die Angebote werden von den Schulen überwiegend positiv bewertet. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse Unterschiede zwischen Schulstufen: Auf der Primarstufe sind entsprechende Angebote häufiger vorhanden und werden teilweise positiver eingeschätzt als auf der Sekundarstufe.

Darüber hinaus zeigen die Daten, dass grössere Schulen tendenziell häufiger über ein breiteres Angebot verfügen. In Bezug auf Ressourcen, Konzepte und Weiterbildung besteht jedoch weiterhin Entwicklungsbedarf.

Fazit für die Praxis

Die Studie liefert erstmals eine breit abgestützte Bestandsaufnahme zur Begabungs- und Begabtenförderung in der Deutschschweiz und in Liechtenstein. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Schulen entsprechende Angebote etabliert haben und diese grundsätzlich positiv bewertet werden. Gleichzeitig bestehen Unterschiede zwischen Schulstufen sowie teilweise begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen.

Für die Praxis ergibt sich daraus die Notwendigkeit, bestehende Konzepte weiterzuentwickeln, den Erfahrungsaustausch zwischen Schulen zu fördern und gezielte Aus- und Weiterbildungsangebote für Lehrpersonen und Schulleitungen auszubauen. Die Ergebnisse können zudem als Grundlage für bildungspolitische Entscheidungen sowie für die Weiterentwicklung schulischer Förderkonzepte dienen.

Präsentation zur Angebotssituation im Bereich Begabungs- und Begabtenförderung

Videobeschreibung

Im Video werden die zentralen Ergebnisse der Studie «Angebotssituation in der Begabungs- und Begabtenförderung in der Deutschschweiz und im Fürstentum Liechtenstein» vorgestellt. Der Fokus liegt auf verschiedenen Aspekten der Begabtenförderung: dem Erkennen begabter Schülerinnen und Schüler, geschlechtsspezifischen Unterschieden in den Angeboten, dem bestehenden Handlungsbedarf sowie dem fehlenden Know-how in der Praxis. 

Die Präsentation wurde im Rahmen einer Informationsveranstaltung zu den Studienergebnissen an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik aufgezeichnet (inkl. offenen Fragen aus dem Publikum). Das Video wurde im Kontext des Symposiums «Jugendliche Hochbegabte entdecken und fördern» gezeigt, welches von der PH Bern in Zusammenarbeit mit dem Elternverein für hochbegabte Kinder (EHK) organisiert wurde.

Literatur

  • Meier-Wyder, A., & Hofmann, C. (2020). Begabten- und Begabungsförderung in den Volksschulen des Kantons Zürich. Auftragsforschung für die Bildungsdirektion des Kt. Zürich. Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik.

Weitere Publikationen