StaFF

Projekt

Ausgangslage und Ziele

Diagnosestandards verbessern entlang möglichst objektiver, reliabler und valider Methoden die Prozesse der Abklärungs- und Förderdiagnostik. Sie tragen dazu bei, dass gewonnene diagnostische Befunde auch zur datenbasierten Förderplanung genutzt werden. Das Projekt trägt damit zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit von Kindern und Jugendlichen bei, die unter psychosozial erschwerten Bedingungen lernen.

Projektleitung

Dennis Christian
Hövel
Titel
Prof. Dr.
Funktion
Leiter Institut für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung / Professor

Fakten

Dauer
03.2022
12.2024
Neue Projektnummer
2_18

Projektteam

Alfred Schabmann
Prisca Stenneken
Wolfgang Dworschak

Ausgangslage und Zielsetzung

Aktuell existieren keine einheitliche Kriterien zur Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfes (SFB). Die vorliegenden Kriterien sind darüber hinaus nicht eindeutig, sodass Diagnosen häufig entlang unklarer/vager/nicht eindeutig zu interpretierender Vorgaben vorgenommen werden müssen und damit oft weder nachvollziehbar noch objektiv sind. In einem Schulsystems, in dem alle Schülerinnen und Schüler (SuS) ohne Diskriminierung unterrichtet und gefördert werden können, bedarf es jedoch einer fairen, d.h. einheitlichen und validen Diagnostik, die nicht nur dazu genutzt wird, um SuS einen bestimmten SFB zuzuschreiben, sondern vor allem dazu dienen muss, Fördermassnahmen und Unterrichtsangebote auf die individuellen Bedürfnisse der SuS anzupassen (Bundschuh, 2007; Prengel, 2016). Ziel des beantragten Projektes ist daher, valide diagnostische Standards zur objektiven und differenzierten Feststellung SFB zu entwickeln und erfolgreich zu implementieren. Anschließend soll untersucht werden, welche Effekte sich aus der Implementierung einheitlicher Diagnosestandards ergeben. Dabei stehen die folgenden Fragen im Fokus des Projektes:

  1. Führt die Implementation von inhalts- und prozessbezogenen Standards dazu, dass Feststellungsverfahren innerhalb des Landes Schleswig-Holstein standardisiert sind und dass getroffene diagnostische Schlussfolgerungen nachvollziehbar und vor dem Hintergrund der diagnostischen Fragestellung(en) plausibel sind.    
  2. Haben externe Diagnosezentren – im Vergleich Feststellungsdiagnostik durch Förderzentren – einen zusätzlichen Nutzen im Kontext standardisierter Feststellungsverfahren
  3. Ergeben sich mit der Implementation von inhalts- und prozessbezogenen Standards Veränderungen in den Förderquoten des Landes Schleswig-Holstein?

Methodisches Vorgehen

Bei diesem Vorhaben arbeiten Vertreterinnen und Vertreter der Universitäten Köln und Regensburg sowie der HfH Zürich mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) zusammen. Basierend auf bereits vom IQSH erarbeiteten Vorschlägen für diagnostische Standards werden in einem ersten Schritt offene Fragen und Problematiken bei der Konzeption solcher Standards identifiziert. Anhand wissenschaftlicher Methoden werden die identifizierten Fragen und Probleme anschließend geklärt und eindeutige Kriterien zur Feststellung/Definition der Förderschwerpunkte Lernen, Emotionale und Soziale Entwicklung, Sprache und Geistige Entwicklung erarbeitet. Basierend hierauf werden dann Diagnosestandards zur Definition eines einheitlichen Vorgehens bei der Feststellung SFB entwickelt. Die Standards werden dabei so angelegt sein, dass diese nicht nur den Prozess der Feststellungsdiagnostik (entlang möglichst objektiver, reliabler und valider Methoden) verbessern, sondern ausserdem dazu anleiten, gewonnene diagnostische Befunde zur Förderplanung zu nutzen. Die entwickelten Standards werden parallel zur Konzeption fortlaufend im Anwendungskontext erprobt und gegebenenfalls hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit überarbeitet. Nach positiver Zwischenevaluation der Standards werden diese flächendeckend in der Praxis der sonderpädagogischen Diagnostik in Schleswig-Holstein implementiert. Anwenderinnen und Anwender aus der Praxis werden im Einsatz der konzipierten Standards geschult und bei Bedarf bei der praktischen Anwendung dieser von Expertinnen und Experten unterstützt. Die Implementation der konzipierten Standards wird prozessbegleitend evaluiert, sodass frühzeitig erkennbar wird, ob und inwiefern es weitere Professionalisierungsmaßnahmen zur sachgerechten Anwendung der Standards braucht. Ausserdem werden die Standards selbst im Anwendungskontext fortlaufend evaluiert und bei Bedarf entsprechend über- bzw. weiterbearbeitet. Mögliche Effekte, die sich aus der Implementierung einheitlicher Diagnosestandards ergeben, werden nach erfolgreicher Implementation der entwickelten Standards entlang der oben genannten Forschungsfragen analysiert.