Tagungsrückblick

Autismus und Kommunikation – Erfolgreiche Förderung

Wenn die anderen eine Geheimsprache haben: Ob Floskeln, Körpersprache, Ironie oder Mimik – was für uns vertraute Bestandteile der Kommunikation sind, müssen Menschen mit Autismus mühevoll entziffern. Auf hundert Neurotypische kommt durchschnittlich ein Mensch mit der Diagnose Autismus. Was sie bräuchten, um besser in ein Gespräch zu kommen, zeigte die Tagung «Autismus und Kommunikation» vom 25. Januar 2019.

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Sie haben nun einige Impressionen aus der Mittagspause der Tagung gesehen. Auch die folgende Szene hätte sich dort gut ereignen können. «Ach, du auch hier?», sagt eine Person zur anderen und deutet ausgestreckte Arme an. Für Menschen mit Autismus bereits ein merkwürdiger Gesprächsauftakt: «Du siehst ja, dass ich hier bin», würden sie irritiert denken oder dies sogar antworten. Und wieso hingen die Arme bei der letzten Begegnung herunter und sind nun ausgestreckt? Für Menschen mit Autismus erscheint vieles in der Kommunikation wie eine Geheimsprache, wie die Dozentin und Fachbuchautorin Brita Schirmer berichtet.

Man muss andere Wege der Kommunikation aufzeigen, sagt Brita Schirmer, die einen eigenen YouTube Kanal «1000 Fragen zum Thema Autismus» hat. Doch wie könnten diese Wege konkret aussehen? Was wünschen sich die Menschen mit Autismus selber? Wir fragen den Psychologen Matthias Huber, der selber von der Störung betroffen ist. Und sprechen grad auch mit Heike Meyer, Dozentin an der PH Bern, die unter Neurotypismus leidet, also dem Volksmund nach «ganz normal» ist. Ein interessanter Vergleich zweier Diagnosen.

Video-Interview mit Matthias Huber und Heike Meyer

Es darf also nicht nur an den Menschen mit Autismus liegen, sich mühsam anzupassen. Nein, beide Seiten müssen aufeinander zugehen, sich besser verstehen lernen. Dieser Grundgedanke ist umso wichtiger, als die Neurotypischen klar in der Mehrheit sind: Auf hundert von ihnen kommt durchschnittlich eine Person mit der Diagnose Autismus, wie die folgende Infografik zeigt.

 

Doch was ist mit Menschen mit Autismus, die nur wenig oder gar nicht sprechen? Von der Psychologin und Pädagogin Anne Häussler erfahren wir zum Abschluss dieses Berichts, dass auch diese Personen Ressourcen haben. Man muss diese aber ganz gezielt suchen, zum Beispiel mit Hilfe des TEACCH Communication Curriculums, einem System zur Förderdiagnostik und Förderplanung.

Autoren: Dr. Dominik Gyseler und Dr. Steff Aellig, Wissenschaftskommunikation HfH

Video-Interview mit Anne Häussler

Die Tagung «Autismus und Kommunikation - Erfolgreiche Förderung im Kindes- und Jugendalter» unter dem Patronat des Institutes für Sprache und Kommunikation unter erschwerten Bedingungen fand am 25. Januar 2019 an der HfH in Zürich statt. Rund 220 Teilnehmer und Teilnehmerinnen informierten sich darüber, wie Schulische Heilpädagogen und Heilpädagoginnen sowie Lehrpersonen die Kommunikation von Kindern und Jugendlichen mit Autismus fördern können.

Tagungen

Zu aktuellen Themen finden regelmässig Tagungen an der HfH statt. Sie ermöglichen Ihnen, sich innert kürzester Zeit auf den neusten Stand der Fachdiskussion zu bringen und bieten Ihnen die Gelegenheit, mit den Referenten und Referentinnen sowie anderen Fachleuten ins Gespräch zu kommen. Zu aktuellen Tagungen

Dokumente

Infografik Autismus