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Arbeitstätigkeiten und Aufgabenfelder der Heilpädagogischen Früherziehung

Ausgangslage und Ziele

Aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen und Veränderungen der rechtlichen Bestimmungen haben sich auch die Zielgruppen der Heilpädagogischen Früherziehung verändert. Das heutige Angebot der Heilpädagogischen Früherziehung richtet sich nicht mehr primär an Kinder, die durch eine frühe Schädigung eine manifeste Behinderung aufweisen, sondern steht auch Kindern zur Verfügung, deren Entwicklung bedroht ist.

Die Heilpädagogische Früherziehung bildet heute eine wichtige Instanz für die professionelle frühkindliche Förderung von Kindern mit Behinderungen und Entwicklungsgefährdungen in ihrem familiären und familienergänzenden Umfeld. Allerdings existieren kaum Studien darüber, wie sich diese Veränderungen in der Praxis niederschlagen. Ziel der geplanten Studie ist es daher, einen systematischen und differenzierten Blick in den konkreten Berufsalltag und den Arbeitstätigkeiten von Früherzieherinnen und -erziehern zu gewinnen.

Fragestellung

Ausgangspunkt des Forschungsprojektes sind Aufgabenfelder und untergeordnete Tätigkeiten, welche empirisch auf ihre Aktualität überprüft werden. Folgende zentrale Aufgabenfelder wurden untersucht (vgl. Lütolf et al., 2014):  

  1. Förderung des Kindes
  2. Diagnostik
  3. Beratung und Begleitung der Eltern und Bezugspersonen
  4. Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Koordination der Hilfesysteme
  5. Früherkennung und Prävention

In der Studie wird der Frage nachgegangen, welche Tätigkeiten in der Praxis nachweisbar durchgeführt werden, wie diese gewichtet werden und wie das individuelle Kompetenzerleben der Heilpädagogischen Früherzieherinnen und Früherzieher innerhalb dieser Tätigkeiten bewertet wird. Durch die empirische Erfassung der Tätigkeiten sollen diese den zentralen Aufgabenfeldern der Theorie zugeordnet und Merkmale des individuellen Erlebens bei den Tätigkeiten in Diskussion gestellt werden.

Methodisches Vorgehen

Zur Gewinnung von Daten zur aktuellen Tätigkeit und des Erlebens der eigenen Kompetenzen im Praxisalltag wurde die Experience Sampling Method (ESM) eingesetzt. Ziel dieser Methode ist es, die täglichen Aktivitäten von Personen zeitnah und direkt im natürlichen Alltag zu erfassen. Die quantitative Befragung wurde anhand eines Signalgebers (Smartphone) bei 117 Heilpädagogischen Früherzieherinnen und 4 Heilpädagogischen Früherzieher aus 16 Kantonen der deutschsprachigen Schweiz durchgeführt. Die Teilnehmenden haben während fünf Arbeitstagen täglich acht SMS zur Erfassung ihrer aktuellen Tätigkeit und dem Erleben erhalten. Bei 121 Personen resultieren daraus theoretisch 4840 Momentaufnahmen, von denen gesamthaft 3799 Momentaufnahmen in die Analyse einflossen. Des Weiteren haben die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer nach Abschluss der ESM-Woche noch einen Schlussfragebogen beantwortet. Dabei handelte es sich im Wesentlichen um Fragen zur Person, zum Ausbildungshintergrund und zu verschiedenen Aspekten der aktuellen Arbeitssituation.

Ergebnisse

  1. Die Fachpersonen der Heilpädagogischen Früherziehung waren an 52% der Zeitpunkte im Aufgabenfeld „Förderung des Kindes“ tätig. 14% der Zeitpunkte können dem Aufgabenfeld „Beratung und Begleitung der Eltern und Bezugspersonen" zugeordnet werden. Weiter fielen 14% der Messzeitpunkte und 12% auf die „Diagnostik“. Für den Aufgabenbereich „Früherkennung und Prävention“ wurden 2% aller Zeitpunkte verwendet. An den restlichen 6% der Zeitpunkte waren die Fachpersonen mit Teamaufgaben oder mit solchen Aufgaben beschäftigt, die keinem Aufgabenfeld zugeordnet werden konnten.
  2. Die subjektive Bedeutung und der geschätzte Zeitaufwand der Aufgabenfelder differiert tendenziell mit der effektiven Zeitnutzung. Besonders deutlich wurde dies in den Aufgabenfeldern „Förderung des Kindes“ und „Beratung und Begleitung der Eltern und Bezugspersonen". Währenddem die Zeitnutzung im Aufgabenfeld „Förderung des Kindes“ deutlich höher war, als dies der persönlichen Bedeutung und der geschätzten Zeitnutzung entsprach, konnte im Aufgabenfeld „Beratung und Begleitung der Eltern und Bezugspersonen" eine gegenteilige Einschätzung erhoben werden. Die subjektive Bedeutung und der geschätzte Zeitaufwand innerhalb dieses Aufgabenfelds wurde deutlich höher eingestuft, als dies die effektive Zeitnutzung zeigte.
  3. Knapp ein Drittel aller Momentaufnahmen wurden von den Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer als relativ belastend erlebt. Als potenziell belastend erwiesen sich in erster Linie Gespräche mit Eltern im Rahmen des Aufgabenfelds „Beratung und Begleitung der Eltern und Bezugspersonen", sowie Gespräche mit anderen Fachpersonen (Aufgabenfeld „Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Koordination der Hilfesysteme“).

Publikationen

  • Lütolf, M., Venetz, M. & Koch, Ch. (2016). Wirksamkeit der Heilpädagogischen Früherziehung – eine tätigkeitsorientierte Annäherung. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 22(3), 20-26.
  • Venetz, M., Koch, Ch., Lütolf, M. & Wohlgensinger, C. (2016). Arbeitstätigkeiten und Aufgabenfelder der Heilpädagogischen Früherziehung. Rückmeldung an die Teilnehmenden. Zürich: Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik.
  • Lütolf, M., Koch, C. & Venetz, M. (2015). Spannungsfeld Familienorientierung. BVF-Forum, (87), 5-13. PDF
  • Lütolf, M., Venetz, M. & Koch, Ch. (2014). Aufgaben der Heilpädagogischen Früherziehung – ein aktueller Diskurs. Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 20(6), 12-18. PDF

Kontakt

Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 81

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