Tagungsrückblick

Kleine Interventionen – grosse Wirkung

Kinder mit einer ADHS brauchen spezifische Massnahmen. Dazu muss aber nicht der ganze Unterricht umgestellt werden. Der Rückblick auf die Tagung vom 19. März 2021. 

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«Eine ADHS ist beeinflussbar», sagt Prof. Dr. Markus Matthys von der HfH, «das ist schon mal eine ganz wichtige Botschaft dieser Tagung.» Die Basis seien ein guter, strukturierter Unterricht und Lehrpersonen, die eine verlässliche Beziehung anbieten, so der Leiter der HfH-Tagung «ADHS in der Schule», die am 19. März 2021 in digitaler Form durchgeführt wurde. Dort wurden unter anderem Mini-Interventionen vorgestellt, mit denen der Unterricht zusätzlich ADHS-gerecht gestaltet werden kann. «Viele dieser Massnahmen sind sehr niederschwellig», sagt Markus Matthys dazu und ergänzt: «Auch Kinder, die keine Probleme mit Aufmerksamkeit haben, profitieren natürlich von einem solchen Unterricht.» Die wichtigsten Massnahmen sehen Sie auf der Wandtafel dargestellt.

In der Mitte: ADHS. Rundherum: Rituale, Lernpausen, Tagesablauf visualisieren, Timetimer, Wenn-dann-Pläne Schritt für Schritt, positive Rückmeldungen

Kinder mit einer AD(H)S zeigen ein breites Spektrum von Verhaltensweisen: Manche sind laut, nervös und hyperaktiv, andere zerstreut, unbeteiligt und ruhig. Die verträumten Kinder fallen dabei oft durch die Maschen der Aufmerksamkeit der Fachpersonen, weil sie ja ruhig am Platz sitzen und den Unterricht nicht stören. «Auch diese Kinder haben Phasen, in denen sie konzentriert arbeiten», sagt der Psychologe Fabian Grolimund. «Wichtig ist es, ihnen genau dann auch eine positive Rückmeldung zu geben.» Warum es sogar kontraproduktiv ist, wenn diese Kinder mit «Versuch dich zu konzentrieren!» angesprochen werden, erklärt der Co-Autor des Bestsellers «Lotte, träumst du schon wieder?» im folgenden Video-Interview.

Fabian Grolimund im Gespräch

Aber da war doch noch was: Ritalin. Gemäss einer Studie der ZHAW aus dem Jahr 2014 nehmen im Kanton Zürich rund die Hälfte der Kinder mit einer ADHS regelmässig Medikamente mit dem konzentrationsförderlichen Wirkstoff Methylphenidat ein. «Ritalin ist sicher nicht die alleinige Lösung», sagt die Psychologin Nadine Steger dazu. Aber in Kombination mit pädagogisch-therapeutischen Massnahmen kann eine Medikation Sinn machen: «Es kann dazu beitragen, den Leidensdruck kurzfristig zu lindern.» Welche Rolle die allfälligen Nebenwirkungen spielen, führt sie im folgenden Audio-Interview aus.

Portätbild Nadine Steger

Gespräch mit Nadine Steger über Ritalin

Transkript Gespräch mit Nadine Steger (PDF) 

Am Schluss der Tagung hat sich vieles geordnet: Die Basis, um Kinder mit einer ADHS zu fördern, bildet ein guter Unterricht. Das allein reicht aber noch nicht. Dieser muss gezielt mit Mini-Interventionen ergänzt werden – je nachdem, ob das Kind eher verträumt (ADS) oder verhaltensauffällig (ADHS) ist. Bei diesen niederschwelligen Massnahmen spielen heilpädagogische Fachpersonen und Klassenassistenzen eine entscheidende Rolle. Ritalin schliesslich kann begleitend dazu beitragen, den Leidensdruck kurzfristig schon zu verringern. Bleibt die Rolle der Eltern. «Die Rolle der Schule und jene der Eltern müssen besser abgesprochen werden», sagt Markus Matthys. Im folgenden Video-Interview erklärt er, warum man eigentlich nicht mehr von Hausaufgaben, sondern von Schulaufgaben sprechen sollte.

Prof. Dr. Markus Matthys im Gespräch

Die Online-Tagung «ADHS in der Schule» fand am 19. März 2021 statt. Sie wurde geleitet von Prof. Dr. Markus Matthys (HfH) und war ein Anlass des Instituts für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung.

Autoren: Dr. Dominik Gyseler und Dr. Steff Aellig, Wissenschaftskommunikation HfH

 

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