Bewegungsbasiertes Präventionsprogramm zur Förderung von sozioemotionalen Kompetenzen (Pilotprojekt)

Projekt

Ausgangslage und Ziele

Die Förderung von emotionalen und sozialen Kompetenzen von Schulkindern beschreibt ein wichtiges Arbeitsfeld in der Psychomotoriktherapie. Widmer et al. (2020) zeigten auf, dass acht von zehn Psychomotoriktherapeut*innen in der deutschsprachigen Schweiz mit Kindern mit sozial-emotionalen Auffälligkeiten arbeiten. Sie bieten im therapeutischen, aber auch präventiven Setting einen spielerischen, bewegten, variantenreichen und zielgruppenorientieren Zugang. In der Prävention besteht jedoch ein Bedarf an wissenschaftlich evaluierten Programmen (ebd). Diesem Bedarf nahm sich das Projektteam an und entwickelte das BESK – ein bewegungsbasiertes Präventionsprogramm zur Förderung von emotionalen und sozialen Kompetenzen.

Projektleitung
Lucia
Maier
Titel
BSc
Funktion
Advanced Lecturer
Ilona
Widmer
Titel
MSc
Funktion
Advanced Lecturer
Fakten
Dauer
08.2018
09.2019
Neue Projektnummer
2_10
Finanzielle Unterstützung

Ausgangslage

Emotionale und soziale Verhaltensauffälligkeiten werden als „multifaktoriell“ und als „Ergebnis eines Interaktionsprozesses zwischen dem Kind und den spezifischen Gegebenheiten der Umwelt“ verstanden (Florin et al., 2015). Das ständige Wechselspiel von Individualität und Soziabilität, bildet ein lebenslanges Lernfeld, welches sich in jedem interaktiven Setting wieder aufs Neue zeigt – so auch im System «Schulklasse». Dieser interaktive und gruppendynamischen Prozess wurde im BESK aufgenommen und mit Hilfe des 5-Phasen Modell nach Tuckman ins Programm eingeflochten. Die weiteren Grundpfeiler des Programms waren «Bewegung» als zielgruppengerechter Zugang zur Thematik sowie die «Reflexion» als Instrument einer nachhaltigen Wirksamkeit. Entstanden ist ein strukturiertes 10-Lektionen Programm für die 1. und 2. Primarstufe, welches vom/von der Psychomotoriktherapeut/in umgesetzt wird. Dieses wurde nun in einer zweiten Phase des Projekts auf dessen Machbarkeit und Wirksamkeit evaluiert.

Methoden

Die Überprüfung der Machbarkeit erfolgte während und nach der Durchführung des Programms mittels Expertengespräche und Gruppeninterviews. Dabei standen vier Psychomotoriktherapeutinnen mit insgesamt 6 Primarschulklassen der 1. und 2. Stufe dem Projektteam zur Seite. Zur Gewinnung erster Erkenntnisse betreffend Wirksamkeit des Programms wurden die emotionalen und sozialen Kompetenzen der Schulkinder in einem quasiexperimentellen pre-post Design mit der deutschen Version des Strength-and-Difficulty-Questionnaire für Lehrpersonen (Robert Goodman, 2005) bewertet. Sechs weitere Schulklassen (Parallelklassen der BESK-Schulklassen) dienten dabei als Kontrollgruppe.

Ergebnisse und Fazit

Die Auswertung zur Machbarkeit anhand der induktiv erstellten Kategorien «Material/Organisation», «Spielideen», «Reflexion», «Zusammenarbeit Lehrperson» und «Sonstiges» haben unteranderem gezeigt, dass die Reflexion als fester Bestandteil, sowie der Austausch mit der Lehrperson, nebst dem attraktiven Programm, als gewinnbringend und für den präventiven Einsatz als wertvoll eingeschätzt wurden. Herausfordernd hingegen waren unter anderem das Zusammenbringen des strukturierten Programms und dem dynamischen Arbeiten in der Gruppe oder auch die Rollenverteilung zwischen Lehrperson und Psychomotoriktherapeutin. Bezüglich Wirksamkeit zeigte sich keinen signifikanten Effekt durch die Umsetzung der Intervention. Die Interventionsgruppe sowie die Kontrollgruppe haben sich in ihren sozioemotionalen Kompetenzen über den Zeitraum der Intervention nicht verändert. Die bereits gut ausgebildeten Kompetenzen von rund 80% der Schüler*innen sowie die kurze Interventionszeit sind mögliche Erklärungsansätze. Aber auch Störfaktoren wie Stellvertretungen, die Einschätzung der Schüler*innen zu Beginn der Kennenlernzeit sowie der Einsatz vom SDQ als alleiniges Messinstrument tragen zu diesem Resultat bei.
Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt wurden vom Projektteam dennoch auf mehreren Ebenen als wertvoll eingeschätzt und lieferten wichtige Erkenntnisse für die weitere Ausarbeitung des Präventionsprogramms zur Förderung von emotionalen und sozialen Kompetenzen der Schulkinder.

Dokumente

Schlussbericht