Empower Peers 4 Careers

Projekt

Ausgangslage und Ziele

Im Projekt «Empower Peers 4 Careers» soll das Konzept der Positive Peer Culture (PPC; Steinebach et al., 2018) im Rahmen einer Interventionsstudie in den Berufswahlprozess von 10 Klassen verschiedener Kantone integriert werden. Das PPC-Setting ermöglicht den Jugendlichen eine neue Lernform, die auf Partizipation und gegenseitiger Verantwortungsübernahme beruht. Dadurch werden Sozial- und Selbstkompetenzen, Berufswahlreife sowie das Klassenklima gestärkt. Die Intervention bilden zwei-wöchentlich stattfindende PPC-Gruppenstunden, die sich über die Berufswahlvorbereitung im 8. und 9. Schuljahr erstrecken. Die Gruppengespräche und deren Wirkungen werden mit quantitativen und qualitativen Zugängen evaluiert. Dabei kommt ein quasi-experimentelles Kontrollgruppendesign zur Anwendung.

Projektleitung
Annette
Krauss
Titel
MSc
Funktion
Junior Researcher
Claudia
Schellenberg
Titel
Prof. Dr.
Funktion
Professorin für die berufliche Integration von Jugendlichen mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen
Fakten
Dauer
11.2020
01.2024
Neue Projektnummer
2_13

Projektteam

Patrizia Röösli
Christoph Steinebach
Andreas Schrenk
Christina Kofler
Kurt Rufer
Martin Jany
Philippe Dietiker

Ausgangslage und Ziele

Der Übergang Schule-Beruf kann für die psychische Gesundheit eine Belastung sein. Insbesondere für Jugendliche aus tieferen Schultypen und Sonderschulen, wo kognitive Schwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten und psychosoziale Problematiken gehäuft auftreten, ist die Berufswahl eine Herausforderung. Für einen erfolgreichen Übertritt spielt ein guter Berufswahlunterricht eine wichtige Rolle, welcher konkrete Hilfestellungen im Bewerbungsprozess, individuelle Begleitung und das Initiieren von ausserschulischen Tätigkeiten (Praktika/Schnupperlehren) bietet. Insbesondere wird auch der Austausch unter Peers als resilienzfördernd beurteilt, welche bei der Ablösung in der Adoleszenz eine immer wichtigere Rolle einnehmen (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2020).

Im Forschungsprojekt «Empower Peers 4 Careers» soll das Konzept der Positive Peer Culture (PPC; Steinebach et al., 2018) im Rahmen einer Interventionsstudie in den Berufswahlprozess von ausgewählten Klassen integriert werden. Der bereits etablierte PPC-Ansatz zur Förderung von Sozial- und Selbstkompetenzen wird dabei zur Unterstützung der Jugendlichen im Berufswahlprozess eingesetzt. In regelmässigen Gruppengesprächen tauschen sich die Jugendlichen über ihre Schwierigkeiten bei der Berufswahl aus und unterstützen sich gegenseitig. Peers können dabei Berufswünsche reflektieren (Gegenüberstellen von Selbst- und Fremdbild), Erfahrungen beim Schnuppern zusammen auswerten, den Umgang mit Enttäuschungen und Absagen lernen (gegenseitiges Emotionscoaching) und generell die Motivation bei der Berufswahl stärken. Der Moderator/die Moderatorin (Lehrperson/Schulische Heilpädagogin bzw. -pädagoge/Fachperson der Schulsozialarbeit) übernimmt eine Hintergrundaufgabe und beachtet das Einhalten des Ablaufs und den Prozess.

Das PPC-Setting ermöglicht den Jugendlichen eine neue Lernform, die auf Partizipation und gegenseitiger Verantwortungsübernahme beruht. Schlüsselelemente der Methode, die zu einer positiven Entwicklung im Jugendalter beitragen, sind gemäss dem ursprünglichen PPC-Manual von Vorrath und Brendtro (1974):

  • Vertrauensbeziehungen: Jugendliche fühlen sich sicher eigene Probleme und Herausforderungen mit anderen zu teilen 
  • Probleme als Chance: Schwierigkeiten und Herausforderungen zu überwinden baut Stärke und Widerstandsfähigkeit/Resilienz auf 
  • Eigenverantwortung statt Gehorsam: Junge Menschen lernen, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen 
  • Kulturen des Respektierens: Niemand verletzt eine andere Person, alle sind dafür verantwortlich, sich gegenseitig zu helfen 

Fragestellungen

  • Wie gut lassen sich die geplanten PPC-Gruppen in den untersuchten Schulsettings umsetzen (Eignung, Nützlichkeit, Umsetzbarkeit, Zufriedenheit und Verbesserungsbedarf)?
  • Welche Wirkungen zeigen sich in den Sozial- und Selbstkompetenzen der Jugendlichen sowie im Klassenklima?
  • Welche Wirkungen zeigen sich in der Berufswahlbereitschaft der Jugendlichen (z.B. Finden von realisierbaren, passenden Möglichkeiten)?
  • Wie können die Gruppentreffen nachhaltig an der Schule implementiert werden?

Methodisches Vorgehen

Die Intervention wird in 10 Klassen verschiedener Kantone (Zürich, Schwyz, Schaffhausen und Solothurn) mit einem quasi-experimentellen Kontrollgruppendesign durchgeführt. Die begleitende Forschung soll Aussagen zur Umsetzung und Wirksamkeit machen und aufzeigen, wie daraus ein reguläres Angebot und Schultypen entwickelt werden kann. Die Intervention bilden zwei-wöchentlich stattfindende PPC-Gruppenstunden, die sich über die Berufswahlvorbereitung im 8. und 9. Schuljahr erstrecken. Die Intervention wird in verschiedenen schulischen Settings durchgeführt, zum einen in Regelschulen (Fokus Schultypen B/C, aber auch Schultyp A) und zum anderen an ausgewählten Sonderschulen (für Verhalten). Die Gruppengespräche und deren Nutzen werden dabei vom Projektteam evaluiert. Dabei kommen quantitative und qualitative Zugänge zum Tragen.

Für die Moderatorinnen und Moderatoren werden vor dem Start der Peer-Groups zwei Weiterbildungstage durchgeführt. Die Teilnehmenden lernen Klassengespräche nach dem Modell von PPC anzuleiten und zu begleiten. Das Angebot umfasst eine Einführung in Theorie und Praxis der Resilienzförderung, der Gruppengespräche im Positive Peer Culture Ansatz und deren Einbettung in den Berufswahlprozess. Weiter werden sie über die zwei Schuljahre durch vier Supervisionstermine begleitet. Die Eltern werden im Rahmen eines Informationsevents über das Projekt informiert. Eine fachliche Begleitgruppe aus Vertretenden der Kooperationspartner, teilnehmenden Schulen (inkl. Jugendliche), sowie vernetzten Projekten (Mind Matters u.a.) wird als Soundingboard einbezogen.

Erwartete Ergebnisse

Insbesondere Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten, psychosozialen oder kognitiven Schwierigkeiten können vom PPC-Angebot profitieren. Die Gruppengespräche sollen wichtige Sozial- und Selbstkompetenzen und damit die psychische Gesundheit stärken. Der herausfordernde Übertritt von der Schule in den Beruf soll unterstützt werden. Auf Basis der Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung des Ansatzes wird ein schriftliches Konzept mit Empfehlungen für die Umsetzung des Ansatzes an verschiedenen Schultypen verfasst. Ziel davon ist, ein Angebot für den berufsvorbereitenden Unterricht zu entwickeln, welche in verschiedenen Schultypen umsetzbar ist.

Literatur

Fröhlich-Gildhoff, K., Rönnau-Böse, M. (2020). Resilienz und Resilienzförderung über die Lebensspanne (2., erweiterte und aktualisierte Aufl.). Stuttgart: Kohlhammer.
Steinebach, C., Schrenk, A., Steinebach, U. & Brendtro, L. K. (2018). Positive Peer Culture: ein Manual für starke Gruppengespräche. Weinheim: Beltz Juventa.
Vorrath, H. & Brendtro, L. (1974). Positive Peer Culture. New York, NY: Aldine de Gruyter.