FLÜGGE: Ein Angebot für Familien mit Jugendlichen in der Berufswahlphase

Projekt

Ausgangslage und Ziele

Jugendliche mit Beeinträchtigungen sind bei der Berufswahl und im Übergang von der Schule in die Arbeitswelt besonders gefordert und auf Unterstützung angewiesen. Dabei spielen Eltern eine Schlüsselrolle: Sie sind die wichtigsten Ansprechpartner für die Jugendlichen, unterstützen, motivieren und begleiten die Jugendlichen auch während der Ausbildungszeit. Gleichzeitig ist in dieser Phase auch wichtig, dass Jugendliche mitverantwortlich entscheiden und ihren Weg selbstbestimmt finden. Ziel des geplanten Pilotprojekts FLÜGGE ist es, im Rahmen von vier Familientreffen einen vertieften Dialog zwischen Eltern und ihren Jugendlichen zu den anstehenden Fragen anzuregen.

Projektleitung
Claudia
Hofmann
Titel
Dr. phil.
Funktion
Senior Researcher
Fakten
Dauer
05.2021
06.2024
Neue Projektnummer
1_27

Projektteam

Ausgangslage und Ziele

Der Übergang von der Schule in den Beruf ist für Jugendliche mit einer Beeinträchtigung und beson­deren Bildungsbedürfnissen oft eine Herausforderung. In den letzten Jahren wurde das professionelle Unterstützungs­system stark ausgebaut, bei Übergängen wechseln jedoch meist die Bezugspersonen. Eltern spielen deshalb eine Schlüsselrolle, da sie Kontinuität bieten und zudem erwiesenermassen für ihre Jugendlichen bei Fragen zur beruflichen Zukunft die wichtigsten Ansprechpartner sind. Damit die Unterstützung der Eltern hilfreich ist, sollten sie sich ihrer Rolle gewachsen fühlen und gleichzeitig ihren Jugendlichen den Freiraum gewähren, damit diese ihren Weg auch selbstbestimmt finden können. In diesem Spannungsfeld (Unterstützung-Autonomie) setzt das geplante Projekt FLÜGGE an ("Familien lernen Übergänge gemeinsam zu gestalten und entwickeln"). Ziel ist es, einen Dialog zwischen den Eltern und ihren Jugendlichen anzuregen mit folgenden Teilzielen:

  • Eltern für ihre Rolle in dieser Phase sensibilisieren und sie ermutigen, diese wahrzunehmen.
  • Wissen der Eltern zum Thema Berufswahl (z.B. zur Berufsbildung, IV, usw.) ergänzen.
  • Jugendliche darin bestärken, ihre Wünsche zu klären, ein realistisches Selbstbild zu entwickeln und ihre Sicht zu vertreten.
  • Konstruktive Gespräche über den bevorstehenden Übergang anregen, insbesondere Ressourcen erkennen, Hindernisse antizipieren, konkrete nächste Schritte gemeinsam planen

Möglichkeit für die Eltern schaffen, sich untereinander auszutauschen und zu vernetzen

Methodisches Vorgehen bei der Entwicklung, Durchführung und Evaluation des Pilotprojekts

Das Pilotprojekt soll sich an verschiedene Zielgruppen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen richten (z.B. Lern-/Hörbeeinträchtigungen, körperliche Beeinträchtigungen/ in separativen und integrativen Settings). Geplant ist - in Absprache mit den jeweiligen Schulen - ein den spezifischen Voraussetzungen und Bedürfnissen der Zielgruppe anpassbares Programm zu entwickeln. Methodisch orientieren wir uns dabei auch an bestehenden Ansätzen (z.B. "FuN" aus Deutschland, "persönliche Zukunftsplanung", systemische Kunsttherapie).

Für das Pilotprojekt sind zwei Staffeln geplant, wobei pro Staffel drei Gruppen (je 5-10 Familien) parallel begleitet werden sollen. Die zeitliche Staffelung ermöglicht es, Erkenntnisse aus der ersten Staffel (2021-2023) für die Überarbeitung des Programms der zweiten Staffel (2022-2024) zu nutzen. Jede der insgesamt sechs Gruppen nimmt an vier Familientreffen teil, die jeweils ähnlich strukturiert sind: Im ersten Teil werden in der Familienrunde - moderiert durch die Projektverantwortlichen - anstehende Fragen diskutiert (z.B. Berufswünsche und -möglichkeiten, Verantwortungsübernahme, usw.). Im zweiten Teil nutzen die Jugendlichen und die Eltern die Zeit je unter sich, um Erfahrungen austauschen und sich vernetzen. Abschliessend treffen sich Eltern und Jugendliche wieder in der Familienrunde und besprechen nächste Schritte.

Das Pilotprojekt soll wissenschaftlich evaluiert werden, wobei im Sinne der partizipativen Forschung die Jugendlichen und ihre Eltern einbezogen werden. Geplant ist vor Beginn des Programms eine erste Kontaktnahme, nach jedem Treffen Kurzevaluationen und eine Abschlussevaluation zur Überprüfung der Ziele und Optimierungsmöglichkeiten.

Bedeutung des Pilotprojekts und erwartete Ergebnisse

Die Eltern als engste Bezugspersonen spielen (wie bereits erwähnt) beim Übergang von der Schule in die Arbeitswelt eine wichtige Rolle. Gleichzeitig fehlt im Familienalltag oft die Zeit und der Raum, um anstehende Fragen vertieft zu diskutieren, und die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern sind in der Ablösungsphase teilweise auch konfliktbelastet. Viele Eltern sind deshalb darauf angewiesen, von professioneller Seite begleitet zu werden. Eine gezielte, kompetente und gut koordinierte Unterstützung ist v.a. bei bevorstehenden Systemübergängen erforderlich und kann im Hinblick auf die weitere berufliche Laufbahn präventiv wirken. Die Elternzusammenarbeit wird jedoch von Seiten der Schule oft auch als grosse Herausforderung wahrgenommen (Hofmann & Schellenberg, 2015). Das geplante Projekt könnte hier vermittelnd wirken, indem die Verantwortlichen an der Schule zwar einbezogen, aber nicht hauptverantwortlich sind und damit entlastet werden. Die Flügge-Projektverantwortlichen sollen dabei nicht primär ein weiterer Ansprechpartner sein, sondern mit gezielten Interventionen bei den Familien selbst einen Prozess in Gang bringen und diesen im Hinblick auf die obenstehenden Ziele begleiten.

Die Ergebnisse aus der Begleitforschung können ausserdem dazu beitragen, bei den professionellen Unterstützungspersonen das Verständnis darüber zu vertiefen, wie Familien diese Phase erleben.