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WiRk – Wirksamkeit integrativer Regelklassen

Ausgangslage und Ziele

Die Schule und ganz besonders die sonderpädagogische Unterstützung von Schulkindern mit Schulschwierigkeiten stehen unter Legitimationsdruck. Insbesondere stellt sich die Frage nach der Wirksamkeit der schulischen Integration. In der Studie „Wirksamkeit integrativer Regelklassen (WiRk)“ wird untersucht, ob und wie es heutzutage den Förderteams (Lehrpersonen, Heilpädagoginnen, Klassenassistent/innen) gelingt, alle Schulkinder – mit und ohne „besondere pädagogische Bedürfnisse“ – zu qualifizieren und zu integrieren. Die besondere Bedürfnisse fokussieren auf die individuelle Unterstützung im  Bereich Lernen (Mathematik, Deutsch) und Verhalten. Die Entwicklung der Schulkinder in den beiden Bereichen wurde im Jahr 2016 an drei Messzeitpunkten untersucht.

Aus heilpädagogischer Perspektive interessieren dabei besonders die Zusammenhänge zwischen dem emotionalen, sozialen und leistungsbezogenen Befinden der Schulkindern, dem Verbleib der Kinder in den integrativen Regelklassen (Integrationsauftrag) sowie der kindlichen Verhaltens- und Lernentwicklung (Qualifikationsauftrag).

Methodisches Vorgehen

Für die Datenerhebung wurden 429 Schulkinder – mit und ohne besondere pädagogische Bedürfnisse – aus insgesamt 30 integrativen Regelklassen auf der Mittelstufe aus den Kantonen Zürich, St. Gallen und Schwyz und ihr jeweiliges Förderteam mit verschiedenen standardisierten Instrumenten befragt. Die Studie ist als Längsschnittuntersuchung angelegt, mit drei Messzeitpunkten über das Jahr 2016 verteilt. Die Kinder, ihre Eltern, die Regellehrpersonen, die Heilpädagoginnen sowie die Klassenassisten/innen wurden an den drei Zeitpunkten zu bedeutsamen Faktoren, wie beispielsweise Unterrichtsqualität, zumSelbstwirksamkeitserleben, Beziehungsqualität sowie Verhaltens- und Lernentwicklung befragt.

Es wurden deskriptive und inferenz-statistische Methoden zur Datenauswertung eingesetzt. Zur Ermittlung von wechselseitig gerichteten Zusammenhängen der untersuchten Faktoren und zum besseren Verständnis des Wirkungsgeflechts des Unterrichts in integrativen Regelklassen wurde das so genannte „Cross-lagged Panel-Design“ verwendet. Zur Leistungsmessung im Bereich Mathematik und Deutsch wurde der standardisierte Cockpit-Leistungstest eingesetzt. 

Zur Exploration der „best/worst practices“ wurden Fokus-Interviews mit den jeweiligen Förderteams durchgeführt und miteinander verglichen.

Ergebnisse

In der Pilotstudie „Wirksamkeit integrativer Regelklassen (WiRk)“ steht die Verhaltens- und Lernentwicklung, die Unterrichts- und Beziehungsqualität sowie das Befinden von Schülerinnen und Schülern in integrativen Regelklassen im Zentrum. Die dargestellten Resultate der Leistungsmessung in Deutsch und Mathe liessen falsche Schlüsse zu. Zur Erfassung des Leistungsstandes über die drei Messzeitpunkte wurde das «Klassencockpit» eingesetzt. Entgegen den in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Studienresultaten schneiden die Kinder nicht schlechter ab als die Kinder der Stichprobe der 500 Schüler und Schülerinnen, an denen die Klassencockpittests geeicht wurden. Das in der Studie aufgeführte Minimalniveau führte zu irreführenden Schlussfolgerungen. Weiter können die Leistungen von integrativen Regelklassen nicht mit Regelklassen ohne Kinder mit integrativer Förderung verglichen werden, da es im Einzugsgebiet des Klassencockpittests nur integrative Regelklassen gibt.

Die zentralen Erkenntnisse sind:

Integration

  • Alle Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen verbleiben im untersuchten Zeitraum in den integrativen Regelklassen.
  • Alle Kinder fühlen sich besser integriert als die Lehrpersonen dies einschätzen. Leistung
  • Sowohl Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen als auch Kinder ohne besondere pädagogische Bedürfnisse entwickeln sich gesamthaft positiv.
  • Das Leistungsniveau der untersuchten Kinder unterscheidet sich nicht von dem anderer Kinder.

 

Verhalten

  • Die Verhaltensentwicklung der Kinder ist positiv. Problematische Verhaltensweisen nehmen über die Zeit ab oder bleiben konstant.
  • Die Ausprägungen der Verhaltensprobleme aus der Sicht der Kinder und aus der Perspektive der Klassenlehrpersonen beeinflussen sich über die Zeit wechselseitig. Die Lehrpersonen schätzen das Integriertsein dieser Kinder negativer ein als die Kinder selber 

 

Förderteams

  • Die Studienergebnisse unterstreichen die hohe Qualität der Arbeit der Förderteams in den Schulen.
  • Die Studie weist aber auch darauf hin, wo Ansatzpunkte zur Unterstützung der Fachpersonen für die Förderung der Kinder in integrativen Klassen sind.
  • In Zukunft sollen wirksame Massnahmen für den Prozess der Förderung und Unterstützung in integrativen Regelklassen definiert werden. Lehrer und Heilpädagogen sollen dadurch in ihrer anspruchsvollen Tätigkeit unterstützt werden.

Eine weiterführende Studie Link Wirk-Förderteams untersucht den Prozess der Förderung von Kindern mit Lern- und Verhaltensproblemen in integrativen Klassen. 

Publikationen

  • Altmeyer, S., Burkhardt S.C.A. & Hättich, A. (2016). Studie zur Wirksamkeit integrativer Regelklassen (WiRk). Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 22(2), 35-41.

Fakten

Laufzeit
09/2015-09/2017
Nr.
5_47

Projektleitung

Dr. phil.  Altmeyer-Müller

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Kontakt

Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 81

zfe[at]hfh.ch zfe