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WiRk – Wirksamkeit integrativer Regelklassen

Ausgangslage und Ziele

Die Schule und ganz besonders die sonderpädagogische Unterstützung von Schulkindern mit Schulschwierigkeiten stehen unter Legitimationsdruck. Obwohl noch unklar ist, ob das frühere System der Separation mehr oder weniger personelle und finanzielle Mittel als die heutige integrative Ausrichtung benötigte, drängt sich die Frage nach der Wirksamkeit der schulischen Integration auf. In der Studie „Wirksamkeit integrativer Regelklassen (WiRk)“ wird untersucht, ob und wie es heutzutage den Akteurinnen und Akteuren gelingt, alle Schulkinder – mit und ohne „besondere pädagogische Bedürfnisse“ – zu qualifizieren und zu integrieren. Dabei wird die Entwicklung der Schulkinder in den Bereichen des Verhaltens und Lernens während eines Jahres untersucht. Aus heilpädagogischer Perspektive interessieren besonders die Zusammenhänge zwischen dem emotionalen, sozialen und leistungsbezogenen Befinden von Schulkindern sowie dem Ausmass an Selektion (Integrationsauftrag) und der kindlichen Verhaltens- und Lern- bzw. Leistungsentwicklung (Qualifikationsauftrag) in integrativen Regelklassen. Es soll ein besseres Verständnis des Wirkungsgeflechts des Unterrichts in integrativen Regelklassen, über die Analyse der Wirkungsweise bedeutsamer Faktoren im Zusammenhang mit der Verhaltens- und Lernentwicklung sowie dem Befinden von Schulkindern, gewonnen werden. Aufgrund der Ergebnisse werden schliesslich ausgewählte Förderteams zur „best/worst practice“ in integrativen Regelklassen befragt.

Methodisches Vorgehen

Für die Datenerhebung werden alle Schulkinder – mit und ohne besondere pädagogische Bedürfnisse – aus insgesamt 30 integrativen Regelklassen auf der Mittelstufe und ihr jeweiliges Förderteam (z.B. schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, Regelklassenlehrpersonen, Klassenassistenzen) mit verschiedenen standardisierten Instrumenten befragt. Die Studie ist als Längsschnittuntersuchung angelegt, mit drei Messzeitpunkten (t0, t1 und t2) über ein Jahr verteilt. Insgesamt 550 bis 600 Schulkinder, inklusive etwa 100 bis 150 Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen und ihr jeweiliges Förderteam werden an den drei Zeitpunkten zu bedeutsamen Faktoren, wie beispielsweise zur Unterrichtsqualität, zum Selbstwirksamkeitserleben, zur Beziehungsqualität sowie zur Verhaltens- und Lernentwicklung, befragt.

Es werden deskriptive und inferenz-statistische Methoden zur Datenauswertung eingesetzt. Zur Ermittlung von wechselseitig gerichteten Zusammenhängen der untersuchten Faktoren und zum besseren Verständnis des Wirkungsgeflechts des Unterrichts in integrativen Regelklassen wird das so genannte „Cross-lagged Panel-Design“ verwendet.

Zur Exploration der „best/worst practices“ werden Fokus-Interviews mit den jeweiligen Förderteams durchgeführt und miteinander verglichen.

Ergebnisse

Die Arbeit der Lehrpersonen ist wirkungsvoll: Die Leistungsentwicklung der Kinder in integrativen Regelklassen in Mathematik und Deutsch und die Entwicklung des Verhaltens sind positiv. Alle Kinder ohne und mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen verbleiben im untersuchten Zeitraum in integrativen Regelklassen.

Viele Kinder mit genügenden Noten erreichen das Minimalniveau nicht: Ein Drittel der Kinder ohne und zwei Drittel der Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen erreichen das Minimalniveau (50% der max. Leistungstestpunktzahl) nicht. Gleichzeitig erreichen in Mathematik 60 bis 75% bzw. in Deutsch 75 bis 85% der Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen und fast alle Kinder ohne Massnahmen eine genügende Schulnote.

Die Sicht der Lehrpersonen auf die Verhaltensprobleme der Kinder beeinflusst das Verhalten der Kinder: Die Ausprägungen der Verhaltensprobleme aus der Sicht der Kinder und aus der Perspektive der Klassenlehrpersonen beeinflussen sich über die Zeit wechselseitig. Die Lehrpersonen schätzen das Integriertsein der Kinder bedeutend negativer ein als die Kinder selber. Da Kinder mit besseren Schulleistungen weniger Verhaltensprobleme aufweisen, sich selbstwirksamer erleben und eine bessere Beziehung zum Förderteam haben, als Kinder mit schlechteren Leistungen, ist es wichtig, dass Kinder mit schlechten Schulleistungen gestärkt werden in Bezug auf Beziehung und Befinden.

Fazit: Es müssen wirksame Massnahmen für den Prozess der Förderung und Unterstützung im Umgang mit spezifischen Verhaltens- und Lernproblemen definiert und diesbezügliche Weiterbildung angeboten werden.

Publikationen

  • Altmeyer, S., Burkhardt S.C.A. & Hättich, A. (2016). Studie zur Wirksamkeit integrativer Regelklassen (WiRk). Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik, 22(2), 35-41.

Kontakt

Forschung und Entwicklung
Tel: +41 44 317 11 81

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