Interaktionsräume in der Heilpädagogischen Früherziehung, Tagung

Event

Kontakt

Tagungsleitung

Christina
Koch
Titel
Prof.
Funktion
Professorin für Heilpädagogik der Frühen Kindheit / Leiterin Master Heilpädagogische Früherziehung
Kolja
Ernst
Funktion
Advanced Lecturer

Überblick

Die Arbeit der Heilpädagogischen Früherziehung ist geprägt von sozialen Interaktionsmomenten oder Interaktionsräumen. Diese sind unter Berücksichtigung der Maxime der Familienorientierung und der systemischen Sichtweise vielfältig und beziehen die Interaktion zwischen Eltern und Kind, Fachperson und Eltern und Fachperson und Kind ein. Im Moment sozialer Interaktion – im Sinne eines aufeinander bezogenen Handelns aller an der Situation beteiligter Personen – entsteht eine soziale Realität, welche immer und immer wieder neu zu gestalten ist. Massgeblich für eine gelungene Gestaltung der sozialen Realität ist die Möglichkeit zur Partizipation aller; sei dies nun das Kind, die Eltern oder die Fachperson. An der Tagung sollen die Interaktionsräume aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und diskutiert werden. Die Tagung greift darüber hinaus breite und niederschwellige Möglichkeiten und Anregungen zur Gestaltung von Interaktionen in integrativen und interdisziplinären Situationen auf.

Die Tagung wird durch Live-Visualisierung (auch Graphic Recording genannt) begleitet. Michael Meier macht Wörter zu Bildern. Die Visualisierungen entstehen sofort und bieten einen tollen Überblick.

Grafische Darstellung des Interaktionsmodells Heilpädagogische Früherziehung (HFE).
Interaktionsmodell Heilpädagogische Früherziehung (HFE)

Fakten

  • Anmeldeschluss: 21. Oktober 2022
  • Kursnummer: 2022-80
  • Kosten: CHF 280 (inkl. Pausenverpflegung)
  • Zielgruppen: Fachpersonen der Heilpädagogischen Früherziehung und weitere Fachpersonen aus dem Vorschulbereich

Die Tagung ist ein Anlass des Instituts für Behinderung und Partizipation.

Programm

Samstag, 12. November 2022

Vormittag:

8.30–9.00 Uhr Empfang mit Kaffee und Gipfeli

9.00–9.15 Uhr

  • Begrüssung: Barbara Fäh, Prof. Dr., Rektorin HfH
  • Thematische Einführung: Christina Koch, Prof., HfH

9.15–10.00 Uhr Referat 1: «Interaktion HFE–Kind: Keine Zeit für Interaktionen … und wie sie trotzdem gelingen können» Dörte Weltzien, Prof. Dr., Freiburg (D)

10.00–10.45 Uhr Referat 2: «Interaktion Eltern–Kind: Beziehungsqualität einschätzen und stärken» Alex Neuhauser, Dr., HfH

10.45–11.15 Uhr Erfrischungspause

11.15–12.00 Uhr Referat 3: «Interaktionsräume – Reflexionsräume – Kreativitätsräume: Eltern, Fachkräfte und Systeme im Dialog» Andrea Caby, Prof. Dr., Hamburg

Nachmittag:

12.00–13.15 Uhr Stehlunch

13.15–14.15 Uhr Workshops 1 bis 6 (1. Durchführung)

14.25–15.25 Uhr Workshops 1 bis 6 (2. Durchführung)

  • Workshop 1 und 2 zum Thema Interaktion HFE–Kind
  • Workshop 3 und 4 zum Thema Interaktion Eltern–Kind
  • Workshops 5 und 6 zum Thema Interaktion HFE–Eltern

15.25–15.55 Uhr Erfrischungspause

15.55–16.40 Uhr Referat 4: «Philosophische Gedanken zum Thema Interaktion» Barbara Bleisch, Dr.

16.40 Uhr Verabschiedung und Abschluss der Tagung

Referate

Referat 1: Keine Zeit für Interaktionen … und wie sie trotzdem gelingen können

Interaktion HFE–Kind

Begrüssungs- und Abschiedsrituale, alltägliche Routinen, Mahlzeiten, regelgeleitete oder «freie» Spielsituationen, Projekte und Ausflüge gehören zu den wertvollen Interaktionsgelegenheiten des Alltags. Wenn es Fachpersonen gelingt, die Interaktionen mit dem Kind in einer feinfühligen Weise zu gestalten, können sich Beziehungen entfalten, die für das Kind unterstützend und entwicklungsförderlich sind. In der Heilpädagogischen Früherziehung sind positive Interaktionserfahrungen ein besonderer Entwicklungsmotor – zugleich fordern Beziehungsaufbau und Beziehungsgestaltung Heilpädagoginnen und Heilpädagogen immer wieder heraus. Im Beitrag werden Interaktionsräume in der Heilpädagogischen Früherziehung mit Hilfe von Videosequenzen vorgestellt und Impulse für die Gestaltung gelingender Interaktionen gegeben.

Dörte Weltzien, Prof. Dr.

Referat 2: Beziehungsqualität einschätzen und stärken

Interaktion Eltern–Kind

In Forschung und Praxis besteht Konsens, dass die Qualität der Interaktion zwischen Kind und Eltern für die gesunde Entwicklung des Kindes grundlegend ist. Dies gilt insbesondere für Kinder, die sonderpädagogische Unterstützung benötigen. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich der Beitrag mit der Frage, wie sich förderliche Interaktionen zwischen Eltern und Kind erkennen und stärken lassen. Im Fokus stehen Ausprägungen der Feinfühligkeit und die damit verbundenen funktionalen und dysfunktionalen Wirkungen auf Interaktionsverhalten und Entwicklung des Kindes. Daran anknüpfend werden Möglichkeiten zur Stärkung der Interaktionsprozesse zwischen Kind und Eltern diskutiert.

Alex Neuhauser, Dr.

Referat 3: Interaktionsräume – Reflexionsräume – Kreativitätsräume: Eltern, Fachkräfte und Systeme im Dialog

Interaktion HFE–Eltern

Eltern von Kindern mit Entwicklungsauffälligkeiten und Behinderungen erleben besonders hohe Belastungen. Im Mittelpunkt steht die Sorge um die Zukunft des Kindes, verbunden mit dem Wunsch nach bestmöglicher Entwicklung und Partizipation. Fachkräfte im Bereich der frühkindlichen Entwicklung sind hier in komplexer Weise gefordert, ein konstruktives Miteinander im Sinne einer vertrauensvollen (Arbeits-)Beziehung mit den Eltern zu gestalten. Dafür gelten nicht nur die Eltern und ihr Kind als Schlüssel, sondern auch deren Bezugssysteme. Berücksichtigt werden sollten neben der partizipativen Erarbeitung von Zielen vor allem die Kompetenzerweiterung aller Beteiligten, vor dem Hintergrund einer ressourcen- und lösungsorientierten Haltung. Auf dieser Grundlage werden aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis diskutiert.

Andrea Caby, Prof. Dr.

Referat 4: Warum Interaktion bedeutsam ist?

Philosophische Gedanken und Kommentare

Barbara Bleisch, Dr.

Workshops

Workshop 1 iQuaKi: Eine Weiterbildung zur Weiterentwicklung der Fachkraft-Kind-Interaktion

Eine gute Beziehungsqualität in der Kita wirkt sich positiv auf die Kompetenzen und Lernprozesse der Kinder aus. Im Rahmen des iQuaKi-Projekts wurde eine Online-Weiterbildung entwickelt, welche die Interaktion zwischen Fachkraft und Kind in den Blick nimmt. Ein zentraler Bestandteil der Weiterbildung ist der stetige Praxistransfer sowie das individuelle Coaching und zahlreiche Reflexionselemente. Hierdurch wird ein persönlicher Bezug zu den Inhalten hergestellt. Des Weiteren werden Praxisvideos genutzt, um konkrete Handlungsstrategien zu verdeutlichen. Auch eigene Alltagsvideos werden aufgenommen und innerhalb des Coachings reflektiert. In diesem Workshop steht die Weiterbildung und deren didaktische Umsetzung im Zentrum. Erste Erkenntnisse aus der Begleitforschung und deren Implikation für die Praxis werden vorgestellt.

Yvonne Reyhing, Dr.

Workshop 2 Hoppe, hoppe, Reiter, wie komme ich hier weiter? Interaktion unter erschwerten Bedingungen

Die zentrale Grundlage der Heilpädagogischen Früherziehung (HFE) ist die Beziehung zwischen Fachperson und Kind. Dafür braucht es Interaktion. Doch wie geht dies, wenn die Interaktion durch Sprachbarrieren, schwere Mehrfach- und Sinnesbeeinträchtigung oder z. B. ASS erschwert ist? Wie kann die IKEA-Tasche zu Gunsten von Face-to-face-Interaktion entschlackt werden? Ein altbewährtes Hilfsmittel hierfür sind körperbasierte Singspiele, Kniereiter und Fingerverse. Kombiniert mit Hilfsmitteln der Unterstützten Kommunikation bieten sie einen einfachen und doch sehr umfangreichen Interaktionsraum, in dem ganzheitliche, familienorientierte Förderung in allen Zielgruppen der HFE geschehen kann. Im Workshop soll gemeinsam erlebt und diskutiert werden, welche vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und Auswirkungen Singspiele in der HFE haben können.

Jette Hunsperger

Workshop 3 Stärkung der Eltern-Kind-Interaktion in der Heilpädagogischen Früherziehung – Betrachtung der Marte Meo Methode unter dem Aspekt der Familienorientierung

Die Stärkung der Eltern-Kind-Interaktion gilt als eines der übergeordneten Ziele einer familienorientiert ausgerichteten Heilpädagogischen Früherziehung. Von der Qualität dieser Interaktionen hängt es ab, ob Entwicklungsimpulse beim Kind wirksam werden. Zur Stärkung der Eltern-Kind-Interaktionen werden in der Praxis u. a. videogestützte Beratungsmethoden eingesetzt. Dieser Workshop gibt einen Einblick in die Marte-Meo-Methode und deren Anwendung im Alltag der Heilpädagogischen Früherziehung. Es wird der Frage nachgegangen, welche Aspekte zu gelingenden menschlichen Interaktionen führen und wie die Methode im Kontext der Familienorientierung zu betrachten ist.

Anne Steudler

Workshop 4 Musik als stärkender Aspekt der Eltern-Kind-Interaktion

Zu den Aufgabenfeldern der Heilpädagogischen Früherziehung gehört die Elternberatung und Elternbegleitung. Hierzu gehört auch die Unterstützung der Eltern, um ihr Kind bestmöglich in der Entwicklung zu begleiten. Dabei ist die Eltern-Kind-Interaktion entscheidend. Wie diese durch Musik gestärkt werden kann, wurde im Rahmen einer Masterarbeit projekthaft erprobt und überprüft. Im Workshop wird aufgezeigt, wie die Musik als Medium kreativ, hilfreich und gelingend genutzt werden kann. Anregende Beispiele, wie die Eltern-Kind-Interaktionen positiv beeinflusst werden können, werden für die Praxis der Heilpädagogischen Früherziehung aufbereitet und dargestellt.

Daniela Folly

Workshop 5 Gelebte Interaktionsräume – im Dialog mit einer Mutter

Die Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Fachpersonen findet unter unterschiedlichen Perspektiven statt. Die Lebenswelten von Familien sind vielfältig, unterscheiden sich im Kontext, in der Sprache, in der Kultur, in der Bildung. Diese Vielfältigkeit beinhaltet unterschiedliche Bedürfnisse, Werte und Erziehungsstile. Im Austausch mit einer Mutter werden diese Aspekte diskutiert, es wird ein Blick auf die Gelingensbedingungen geworfen und es wird der Frage nachgegangen, wie Eltern angesprochen und zielorientiert begleitet werden können.

    Melina Hofstetter Brigitte Eisner-Binkert Susanne Kofmel

Workshop 6 Gelingende Interaktion mit Eltern im Kontext der Heilpädagogischen Früherziehung – auf die Haltung kommt es an!

Im Mittelpunkt des Workshops steht die Frage wie und wodurch die Interaktion mit unterschiedlichen Familien gelingend und konstruktiv gestaltet werden kann. Der Schlüssel liegt in der Haltung der Fachperson und in einer dialogischen Arbeitsweise auf der Grundlage des systemischen Denkens und Handelns, welche eine familienorientierte Arbeitsweise ermöglicht. Der Verein Bewegung im Dialog hat diese wertschätzende und familienorientierte Haltung und Denkweise in über 3 Jahrzehnten stetig weiterentwickelt und das Wissen an unzählige Fachpersonen und Familien weitergegeben. Ziel des Workshops ist es, die spezifischen Grundlagen dieser Arbeitsweise und deren Bedeutung für die Praxis der HFE zu erkennen und zu erfahren.

Kolja Ernst

Referierende und Workshopleitungen

  • Andrea Caby, Prof. Dr.
    Professorin für Sozialpädiatrie, Sozialmedizin Medicalschool Hamburg Leitung Sozialpädiatrisches Zentrum Papenburg
  • Barbara Bleisch, Dr.
    Philosophin und Journalistin, Zürich
  • Brigitte Eisner-Binkert
    Heilpädagogische Früherzieherin, Bereichsleitung HFE, HPD Zug
  • Kolja Ernst Dipl.
    Rehabilitationspädagoge, Heilpädagogischer Früherzieher, Advanced Lecturer HfH
  • Daniela Folly
    Heilpädagogische Früherzieherin, Früherziehungsdienst Freiburg
  • Melina Hofstetter
    Mutter von Henok, Fachfrau Betreuung
  • Jette Hunsperger
    Heilpädagogische Früherzieherin, HFE Thurgau
  • Christina Koch, Prof.
    Professorin für Heilpädagogik der Frühen Kindheit / Leiterin Masterstudiengang Heilpädagogische Früherziehung, HfH
  • Susanne Kofmel
    Lehrbeauftragte HfH
  • Alex Neuhauser, Dr.
    Senior Researcher, HfH
  • Yvonne Reyhing, Dr.
    Lehrstuhl Entwicklung und Bildung in der frühen Kindheit, Projektleiterin iQuaKi-Projekt Universität Konstanz und Pädagogische Hochschule Thurgau
  • Anne Steudler
    Heilpädagogische Früherzieherin MA, dipl. Ergotherapeutin FH, Advanced Lecturer, HfH
  • Dörte Wetltzien, Prof. Dr.
    Sozialwissenschaftlerin, Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit, Evangelische Hochschule Freiburg, Leitung Masterstudiengang Bildung und Erziehung im Kindesalter, Leitung Zentrum für Kinder- und Jugendforschung (ZfKJ), EH Freiburg

Anmeldung

Die Anmeldung behält ihre Gültigkeit, wenn auf Grund der Covid-19-Situation Anpassungen der Durchführungsmodalität erforderlich sind.

Anmeldung zur Tagung

Detailprogramm

Tagungsbroschüre «Interaktionsräume in der Heilpädagogischen Früherziehung»

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