Eine Kultur der Digitalität gemeinsam und koordiniert gestalten

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07.07.2022

An der Clustertagung Ostschweiz «Schule und Lernen in der digitalen Welt» vom 24. Juni 2022 kamen an der Pädagogischen Hochschule Zürich 120 Bildungs- und Erziehungsfachleute der Region Ostschweiz zusammen, um sich über die Herausforderungen der digitalen Transformation in Schule und Bildung auszutauschen, Aktivitäten zu koordinieren und Massnahmen zu erarbeiten.

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Karen
Ling
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Senior Lecturer

Die Clustertagung Ostschweiz war eine von vier regionalen Tagungen, an denen alle Pädagogischen Hochschulen der Schweiz gemeinsam mit den Bildungspartner:innen der jeweiligen Regionen eine Standortbestimmung vornahmen. Diskutiert wurde die Gestaltung von Rahmenbedingungen sowie Massnahmen und Herausforderungen für Schule und Lernen in einer «Kultur der Digitalität».

Ausgangslage. Den Rahmen der Tagung steckte die Initiative «Schule und Lernen in der digitalen Welt» der Kammer Pädagogische Hochschulen von swissuniversites ab. Von 2019 bis 2022 wurden in Arbeitsgruppen, bestehend aus Mitgliedern aller Pädagogischen Hochschulen, die «Grundsätze und Leitvorstellungen für die Mitgestaltung von Schule und Lernen in einer Kultur der Digitialität» (PDF) entwickelt und 2021 in einem ersten Schritt an einer nationalen Tagung konkretisiert. Die erarbeiteten Grundsätze und Leitlinien bildeten die Ausgangslage für die regionalen Tagungen. Die Clustertagung Ost, wurde gemeinsam organisiert von der PH Graubünden, PH St. Gallen, PH Thurgau, PH Schaffhausen, PH Zürich und der HfH.

Standortbestimmung und Zukunft. Die Pädagogischen Hochschulen stellten laufende und bereits abgeschlossene Projekte im Bereich Digitalisierung vor, die einen Überblick über den Stand der Dinge und die Entwicklungen an den Hochschulen boten. Die Präsentationen bildeten die Grundlage für die «Zukunftskonferenzen», in denen dann weiterführende und konkrete Ideen diskutiert wurden. Jürg Fraefel, Gastgeber und Tagungsleiter der Clustertagung fasste in einem Interview den Prozess folgendermassen zusammen: «Ich bin beeindruckt von der Vielfalt der an der Tagung präsentierten Projekte und ebenso von den konkreten Ideen für weiterführende Massnahmen, welche an den sogenannten Zukunftskonferenzen am Nachmittag gemeinsam entwickelt wurden.» Zum Interview mit Jürg Fraefel

Kooperationsbedarf. Insgesamt wurde deutlich, dass der Bedarf an einer verstärkten Kooperation und Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen und den Bildungspartner:innen hoch ist. Der Austausch im Rahmen der Tagung wurde von den Teilnehmer:innen aus diesem Grund besonders geschätzt. Philippe Dietiker, Leiter der Abteilung Besondere Förderung der Bildungsdirektion Zürich und Hochschulrat der HfH meint dazu: «Ich glaube, es ist wichtig, dass wir die Umsetzung partnerschaftlich angehen, weil so wiederum unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen.»

Es zeigte sich beispielsweise, dass ähnliche Angebote oft lokal aufgebaut werden. Eine Koordination der Massnahmen würde folglich wesentlich zu Synergieeffekten führen. So wurde in einer Zukunftskonferenz ein umfassender Massnahmenkatalog erarbeitet, wie eine nationale Zusammenarbeit im «Aufbau digitaler Kompetenzen» angegangen werden könnte. In einer anderen Zukunftskonferenz wurden Massnahmen zusammengetragen, die das Bewusstsein der Lehrpersonen für Barrierefreiheit im Bereich Digitale Medien schärfen könnten.

Was ist eine «Kultur der Digitalität»? An der Tagung wurden auch Herausforderungen thematisiert. Im Vordergrund standen dabei Einstellungen, Haltungen und Widerstände gegenüber Digitalität und wie diese bei allen Akteur:innen im Bildungssystem abgebaut werden könnten – aber auch die Frage, was eine «Kultur der Digitalität» überhaupt bedeutet. Jürg Fraefel betont, dass Digitalität teils reduziert wird auf technische Aspekte, derweil «die wohl grössere Herausforderung die damit verbundene gesellschaftliche Transformation darstellt, hin zu einer ‹Kultur der Digitalität›».

Inklusive Bildungsangebote. Als eine weitere zentrale Herausforderung wurde die Bereitstellung inklusiver Bildungsangebote benannt. Diese Herausforderung hängt mit der Leitvorstellung «Mündigkeit und Teilhabe» der Grundsätze und Leitlinien zusammen. «Denn Schule in einer Kultur der Digitalität könnte die Teilhabe aller Lernenden mit ihren unterschiedlichen Voraussetzungen unterstützen und Bildungschancen sowohl durch digitale Teilhabe mit barrierearmen (Lehr-)Medien, als auch durch die Nutzung digitaler Technologien als Access Technologies ermöglichen – im Sinne der Bildungsgerechtigkeit», meint Karen Ling, Co-Moderatorin der Tagung.

Co-Moderatorin Karen Ling und Co-Moderator Jürg Fraefel an der Clustertagung Ostschweiz im Juni 2022.
In «Zukunftskonferenzen» wurden Ideen diskutiert.
Die Vernetzung und Koordination von Angeboten waren zentrale Diskussionspunkte an der Tagung.

Nächste Schritte. Die Fragen, Herausforderungen und Ideen, die an der Tagung gesammelt wurden, sind in einem gemeinsamen digitalen Kooperationstool festgehalten worden. Die Inhalte bilden die Grundlage für einen detaillierten Tagungsbericht der Clustertagung Ostschweiz, welchen Jürg Fraefel gemeinsam mit dem Organisationskomitee der Tagung verfasst. Dieser soll mit den Ergebnissen aus den anderen drei regionalen Tagungen zu einem Gesamtbericht mit einer Bedarfsanalyse verdichtet und Ende 2022 an die Kammer PH überwiesen werden. Anhand des Berichts wird eine Strategie zur gemeinsamen Gestaltung der digitalen Transformation im Bildungswesen vorgeschlagen, aus der wiederum konkrete Projekte auf nationaler und regionaler Ebene abgeleitet werden.

Barbara Fäh, Rektorin der HfH hat ebenfalls an der Tagung teilgenommen und äusserte sich mit Blick in die Zukunft: «Meine Erwartung, welche ich verbinde mit dieser Initiative ist, dass das entstandene Netzwerk weiterlebt.»

Organisationskomitee der Clustertagung Ostschweiz. Andreas Brugger (PHSH), Jürg Fraefel (PHZH), Martin Hoffmann (PHSG), Dennis Komm (PHGR), Karen Ling (HfH), Thomas Merz (PHTH), Thomas Staub (PHZH)

Kontakt. Bei Fragen zur Tagung steht Jürg Fraefel (juerg.fraefel [at] phzh.ch) gerne zur Verfügung. Bei Fragen zur Initiative kann man sich an swissuniversities (communication [at] swissuniversities.ch) wenden.

Video zur Tagung. Das Video bietet einen Einblick in das Tagungsgeschehen und fasst in Statements von verschiedenen Teilnehmenden den Schwerpunkt der Tagung zusammen. Zum Video (YouTube)