Ein halbes Jahrhundert Psychomotoriktherapieausbildung in der Deutschschweiz

Infomaterial

Die Psychomotoriktherapieausbildung in der Deutschschweiz feiert ihren 50. Geburtstag. Ein geeigneter Zeitpunkt, um einen Blick zurück auf das letzte halbe Jahrhundert und einen Blick in die Zukunft der Psychomotoriktherapieausbildung zu werfen. 

Kontakt

Iris
Bräuninger
Titel
Dr. rer. soc.

Funktion

Senior Researcher / Co-Leiterin Bachelor Psychomotoriktherapie

Olivia
Gasser-Haas
Titel
Dr. phil.

Funktion

Senior Lecturer / Leiterin Master Psychomotoriktherapie

50 Jahre Jubiläum. Seit 50 Jahren wird die Ausbildung in Psychomotoriktherapie an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) und zuvor am Heilpädagogischen Seminar (HPS) in Zürich angeboten. Die HfH ist die einzige Ausbildungsstätte in der Deutschschweiz und arbeitet eng mit der HES-SO (Haute école spécialisée suisse occidentale) in Genf, der Psychomotoriktherapieausbildung in der französischsprachigen Schweiz, zusammen. 

Psychomotoriktherapeut:innen leisten jährlich fachlich wertvolle Arbeit, um Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Allein in der Stadt Zürich besuchen über 1200 Kinder pro Jahr die Psychomotoriktherapie. 

Überblick Meilensteine. Die nachfolgende Zusammenstellung der Meilensteine von 1972 bis 2022 gibt einen Überblick in die Entstehung und Entwicklung der Psychomotoriktherapieausbildung in der Deutschschweiz. Die fünf Meilensteine verdeutlichen, wie die Psychomotoriktherapie zu einer modernen, EDK-anerkannten und professionellen Ausbildung wurde und welche gesellschaftlichen Entwicklungen in der Ausbildung berücksichtigt wurden und relevant waren: Vom Versuch einer tanz- und bewegungsorientierten Ausbildung vor 50 Jahren zum ausgewiesenen Bachelorstudium in Psychomotoriktherapie mit konsekutivem Master.

Meilensteine 1972 bis 1982

Geburtsstunde der Psychomotoriktherapieausbildung

Die ersten klinisch-diagnostischen und berufspraktischen Grundlagen der Psychomotoriktherapie in der Schweiz werden an der Universität Genf und am «Service Médico-Pédagogique» in Genf in langjähriger, intensiver Entwicklungsarbeit unter der Leitung von Suzanne Naville und Prof. Dr. Julian de Ajuriaguerra entwickelt. Die theoretische Grundlage bilden Forschungsarbeiten aus den Jahren 1925-1969 von de Ajuriaguerra, sowie beispielsweise von Wallon (z. B. 1956), Dupré (1925) und Piaget (z. B. 1960). Nach erfolgreichem Aufbau der Psychomotoriktherapieausbildung in Genf wechselt Naville aus privaten Gründen 1969 nach Zürich und beginnt in Zusammenarbeit mit dem Kinderpsychiater Prof. Dr. Alfons Weber, Leiter Kinder- und Jugendpsychiatrie am Kinderspital Zürich, mit dem Aufbau der Deutschschweizer Psychomotoriktherapie am Kinderspital Zürich. Hartnäckige Pionierarbeit und gemeinsame Gespräche zwischen Prof. Dr. Alfons Weber, Suzanne Naville und Dr. Fritz Schneeberger, Rektor des Heilpädagogischen Seminars in Zürich, folgen. Schliesslich zeigt sich Dr. Schneeberger einverstanden, einen Jahreskurs in Psychomotoriktherapie als Versuchsphase zwei Mal durchzuführen (1970 und 1971). Im Jahr 1972 beginnt das zweijährige Aufbaustudium für die Psychomotoriktherapie, zu dem nur ausgebildete und praxiserfahrene Pädagog:innen aufgenommen werden. Die Abteilungsleitung übernimmt Dr. Schneeberger während fünf Jahren, bis sie Suzanne Naville 1977 übertragen wird. Zur Aufnahme in die Psychomotoriktherapieausbildung gibt es folgende Bedingungen: a) Maturität und seminaristische Ausbildung, b) Pädagogische Praxis von 3 Jahren, c) Musikalische Grundbegriffe, einfaches Klavier spielen, d) Bewegungserfahrung. Um die Voraussetzungen zu prüfen, finden jeweils Eignungsprüfungen statt, welche ein persönliches Gespräch, Klavierspiel und einige Bewegungsimprovisationen beinhalten. Die Inhalte in Psychomotoriktherapie übermittelt hauptsächlich Suzanne Naville selbst, allerdings bezieht sie baldmöglichst Studierende und erste Absolvierende des Psychomotoriktherapiestudiums in die Lehre mit ein.

Die Psychomotoriktherapie ist in der Deutschschweiz zur damaligen Zeit ein ganz neues Unterstützungsangebot, welches sich von den anderen Unterstützungsformen unterscheidet. Die Anerkennung des Berufes innerhalb des Kinderspitals Zürich und dessen Ausstrahlung über mehrere Kantone hinweg sowie die vielen Referate und Fortbildungen für Schul- und Hausärzt:innen, Schulpsycholog:innen, Lehrpersonen und Eltern, geführt von Suzanne Naville, verhelfen dem Beruf der Psychomotoriktherapie zum Erfolg und zur Etablierung in den Schulen.

Chronologie

  • 1972. Die erste 2-jährige Psychomotoriktherapieausbildung in der Deutschschweiz startet am Heilpädagogischen Seminar (HPS), bestehend aus einem Jahr Grund- und einem Jahr Aufbaustudium. Suzanne Naville ist Gründerin und Pionierin der Ausbildung in Zusammenarbeit mit Dr. Fritz Schneeberger und Prof. Dr. med Alfons Weber. Die Leitung der Ausbildung Psychomotoriktherapie untersteht dem Rektor des Heilpädagogischen Seminars, Dr. Fritz Schneeberger.
  • 1977. Suzanne Naville übernimmt die Leitung der Psychomotoriktherapieausbildung am Heilpädagogischen Seminar (HPS) in Zürich.

Meilensteine 1983 bis 1992

Ausbau der Psychomotoriktherapieausbildung

Die Psychomotoriktherapie ist als sonderpädagogisches Angebot gefragt: Aus der Neurologie kommen Kinder mit minimalen cerebralen Störungen (mimimal cerebral palsy) anschliessend an die abgeschlossenen Physiotherapien. Die Psychiatrie meldet Kinder an mit Autismus, Verhaltensstörungen und Raumorientierungsschwächen. Kinder- und Schulärzt:innen schicken Kinder mit Reifungs- und Entwicklungsstörungen sowie Lernproblemen. Aus den Schulpsychologischen Diensten und der Lehrerschaft kommen Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, Lernschwierigkeiten und mit motorischer Ungeschicklichkeit, insbesondere im Schreiberwerbsprozess.

Die Ausbildung wird schliesslich 1984 auf zweieinhalb Jahre verlängert, sechs Jahre später auf ein dreijähriges Vollzeitstudium erweitert. Im Jahr 1989 wird eine weitere Ausbildungsstätte in Psychomotoriktherapie in Basel aufgebaut unter der Leitung von Dr. phil. habil. Emil E. Kobi, Heilpädagoge, damaliger Leiter des Instituts spezielle Pädagogik und Psychologie der Uni Basel (ISP) und von Doris Guggenbühl, Bewegungspädagogin, Schulleiterin der Gymnastikdiplomschule Basel (GDS).

Chronologie

  • 1984. Die Ausbildung in Psychomotoriktherapie am Heilpädagogischen Seminar (HPS) wird auf zweieinhalb Jahre verlängert. 
  • 1989. Eine zweite Ausbildungsstätte in Psychomotoriktherapie in der Deutschschweiz wird in Basel aufgenommen.
  • 1990. Die Psychomotoriktherapieausbildung am Heilpädagogischen Seminar (HPS) entwickelt sich zum dreijährigen Vollzeitstudium.

Meilensteine 1993 bis 2002

Psychomotoriktherapieausbildung - vom HPS zur HfH

26 Jahre leitet und gestaltet Suzanne Naville als Abteilungsleiterin die Ausbildung am Heilpädagogischen Seminar in Zürich. Im Jahr 1996 tritt Prof. Susanne Amft die Leitungsstelle des Studiengangs Psychomotoriktherapie an.

Prof. Susanne Amft übernimmt 2001 die strukturellen Vorbereitungen zum Umbau und die Überführung der Psychomotoriktherapieausbildung des Heilpädagogischen Seminars (HPS) in die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH). Psychomotoriktherapiestudierende kommen von nun an aus allen Deutschschweizer Kantonen, insbesondere aus den Trägerkantonen der HfH.

Im Zuge des Umbaus der Psychomotoriktherapieausbildung auf Fachhochschulebene verändert sich auch der Zugang zum Studium. Neu ist kein pädagogischer Grundberuf mehr als Voraussetzung zum Studium notwendig, die Zulassung zum Studium erfordert mindestens die Maturität und ein Vorpraktikum.

Chronologie

  • 1996. Die Studiengangsleitung Psychomotoriktherapie am Heilpädagogischen Seminar (HPS) wird an Prof. Susanne Amft übertragen.
  • 2001. Prof. Susanne Amft übernimmt die strukturellen Vorbereitungen zum Umbau und die Überführung der Psychomotoriktherapieausbildung des Heilpädagogischen Seminars (HPS) in die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH).

Meilensteine 2003 bis 2012

Psychomotoriktherapieausbildung als Bachelorstudiengang

Prof. Dr. Martin Vetter wird 2005 neuer Leiter des Studiengangs Psychomotoriktherapie an der HfH und löst Prof. Susanne Amft ab, die von 1996–2005 den Studiengang Psychomotoriktherapie leitete. Prof. Susanne Amft fokussiert sich nach neun Jahren Studiengangleitung der Psychomotoriktherapie auf die Leitung des pädagogisch-therapeutischen Departements an der HfH, zu der auch die Psychomotoriktherapieausbildung gehört. Ein Jahr später, im Jahr 2006, baut Prof. Dr. Martin Vetter mit dem Dozierendenteam im Zuge der Bolognareform den Bachelorstudiengang Psychomotoriktherapie auf. Dabei liegt der Fokus auf der Notwendigkeit einer Verzahnung zwischen Forschung, Praxis und Theorie, die sich in der Ausbildung widerspiegelt. Erstmals werden Module und Praktika zu Themen wie Prävention, Integration und Inklusion angeboten, die zu dieser Zeit ein Novum sind. Zudem wird praxisrelevante Forschung und Entwicklung im Fachgebiet betrieben. Mit «G-FiPPs», einer integrativ und präventiv ausgerichteten grafomotorischen Förderkonzeption hat ein Forschendenteam der HfH Zürich unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Vetter beispielsweise aufgezeigt, dass Projekte innerhalb der Schule und mit allen Kindern im Fachgebiet Psychomotorik durchaus sinnvoll und umsetzbar sind (Vetter et al., 2010). Das Psychomotoriktherapiestudium kann ab 2006 als Teilzeitstudium absolviert werden.

Im Jahr 2007 wird die Psychomotoriktherapie neben Logopädie und Heilpädagogischer Früherziehung als Grundangebot der Sonderpädagogik deklariert und von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektion (EDK) anerkannt, was für die Psychomotoriktherapie einen relevanten Meilenstein darstellt. Auch Diplome aus der seminaristischen Ausbildung am HPS erhalten rückwirkend die EDK-Anerkennung.

Die Ausbildung in Psychomotoriktherapie an der Pädagogischen Hochschule FHNW (Basel) wird 2008 aufgehoben. Die Studierenden wechseln an die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH), um ihr Studium zu beenden. Damit ist die HfH die alleinige Ausbildungsstätte für Psychomotoriktherapie in der Deutschschweiz und die HES-SO diejenige in der französischsprachigen Schweiz.

Ab 2008 übernimmt Prof. Dr. Beatrice Uehli Stauffer die Leitung des Studiengangs in Psychomotoriktherapie. Das Jubiläum 40 Jahre Ausbildung der Psychomotoriktherapie in der Deutschschweiz, seit 2001 an der HfH und zuvor am HPS, wird im Jahr 2011 gefeiert. Daraus resultiert der Film «Vom Purzelbaum zum Selbstkonzept».

Chronologie

  • 2005. Prof. Dr. Martin Vetter übernimmt die Leitung des Studiengangs Psychomotoriktherapie von Prof. Susanne Amft.
  • 2006. Mit der Bolognareform wird die Psychomotoriktherapieausbildung zu einem Bachelorstudiengang und das Studium kann ab sofort auch als Teilzeitstudium absolviert werden.
  • 2007. Die Psychomotoriktherapie erfährt in der interkantonalen Vereinbarung über die Zusammenarbeit im Bereich Sonderpädagogik eine gesamtschweizerische Verankerung und wird erstmals als Grundangebot der Sonderpädagogik genannt. Diese Vereinbarung wird im Rahmen des Sonderpädagogikkonkordats von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) erarbeitet.
  • 2008. Die Invalidenversicherung zieht sich gänzlich aus der Finanzierung der Sonderschulung zurück. Auch die Psychomotoriktherapie wird nicht mehr über die IV finanziert. Aufgrund der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) liegt die Verantwortung für die Finanzierung und Regelung der pädagogischen Therapien wie der Psychomotoriktherapie nun ausschliesslich bei den Bildungsdirektionen der einzelnen Kantone.
  • 2008. Prof. Dr. Beatrice Uehli Stauffer übernimmt die Leitung des Studiengangs in Psychomotoriktherapie.
  • 2008. Die Ausbildung in Psychomotoriktherapie an der Pädagogischen Hochschule FHNW (Basel) wird aufgehoben. Die Studierenden wechseln an die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik (HfH), um ihr Studium zu beenden. Damit ist die HfH die alleinige Ausbildungsstätte für Psychomotoriktherapie in der Deutschschweiz, und die HES-SO diejenige in der französischsprachigen Schweiz.
  • 2011. Das Jubiläum 40 Jahre Ausbildung der Psychomotoriktherapie am Heilpädagogischen Seminar (HPS) und der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) wird gefeiert, der Film «Vom Purzelbaum zum Selbstkonzept» entsteht.

Meilensteine 2013 bis 2022

Psychomotoriktherapieausbildung zwischen Praxis, Theorie und Forschung

Die Psychomotoriktherapieausbildung schreitet in der Entwicklung der Verzahnung von Praxis, Theorie und Forschung voran, welche massgeblich zur Professionalisierung der Ausbildung beiträgt. Wichtige Schritte sind dabei die Curriculumsrevision 2015, die Reorganisation der gesamten HfH 2017, wie auch die Bewilligung des konsekutiven Masters 2021, wie im Folgenden beschrieben wird.

Die Curriculumsrevision im Jahr 2015 wird dazu genutzt, die drei Jahre der Bachelorausbildung vermehrt inhaltlich und thematisch zu strukturieren. Zudem finden im Rahmen der Curriculumsrevision didaktische Anpassungen auf dem Weg zu vermehrtem selbständigem Lernen und auch zur Digitalisierung in der Ausbildung statt: das BSS-Studium (Begleitetes Selbststudium) wird eingeführt und im Wechsel zu Präsenz und später auch Online-Unterricht in der Ausbildung angeboten. Bewährtes, wie der hohe Praxisanteil, die praxisorientierten Module oder die enge Zusammenarbeit mit dem Studiengang Logopädie, wird beibehalten.

Die HfH wird im Jahr 2017 reorganisiert. Eine themenorientierte Struktur mit fünf Instituten und einem wissenschaftlichen sowie administrativ-technischen Support wird eingeführt und etabliert. Die Institute beziehen sich auf definierte Handlungsfelder und Schwerpunktthemen und lösen die drei Departemente (Departement 1: Heilpädagogische Lehrberufe; Departement 2: Pädagogisch-therapeutische Berufe; Departement 3: Weiterbildung, Forschung und Dienstleistungen) ab. Die Psychomotoriktherapie ist thematisch im Institut für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung verankert, welches Prof. Susanne Amft leitete. Im Jahr 2021 übernahm die Leitung Prof. Dr. Dennis Hövel. Prof. Susanne Amft wird 2022 pensioniert. Zur News

Die neue Struktur mit den Instituten erlaubt eine enge Verknüpfung zwischen praxisrelevanter Forschung und Ausbildung, die zur professionellen Weiterentwicklung der Psychomotoriktherapieausbildung beiträgt.

Im Zuge der Reorganisation der HfH übernimmt Prof. Dr. Beatrice Uehli Stauffer die Co-Leitung des Zentrums für Ausbildung an der HfH. Im Jahr 2021 geht Prof. Dr. Beatrice Uehli Stauffer in Pension. Die langjährige Dozentin der Ausbildung in Psychomotoriktherapie, Ursina Degen Cuonz, leitet den Studiengang Psychomotoriktherapie 2017 ad interim für ein Jahr, welcher schliesslich in Co-Leitung ab 2018 von Dr. Iris Bräuninger und Myrtha Häusler übernommen wird. Im Jahr 2020 gibt es einen erneuten Wechsel, Myrtha Häusler gibt ihre Co-Leitungsfunktion ab und Dr. Iris Bräuninger und Olivia Gasser-Haas leiten gemeinsam den Studiengang Psychomotoriktherapie. Myrtha Häusler bleibt als Dozentin in der Ausbildung erhalten.

Ab 2020, ausgelöst durch die Corona-Pandemie wird der Fernunterricht ausgebaut. Kreative Lösungen, um auch bewegungs- und körperorientierte Inhalte für die Studierenden im Online-Setting erfahrbar zu machen, sind von Seiten der Dozierenden gefragt. Die Ausbildungsabschlüsse für jedes Semester können auch in Pandemiezeiten sichergestellt werden.

Im Jahr 2021 entscheidet die EDK im Rahmen der «Totalrevision Anerkennungsreglemente päd.-therapeutische Berufe», dass die Psychomotoriktherapieausbildung in der Schweiz auf Bachelor- wie auch auf Masterniveau berufsbefähigend geführt werden kann. Der inzwischen an der HES-SO (Haute école spécialisée suisse occidentale) in Genf seit 2019 etablierte Masterstudiengang in Psychomotoriktherapie wird aus diesem Grund entsprechend weitergeführt.

An der HfH wird darüber entschieden, ob ein Master- anstelle des Bachelorstudiums oder ein konsekutiver Master, das heisst ein berufsbefähigender Bachelorstudiengang und ein spezialisierter Masterstudiengang in Psychomotoriktherapie in Zukunft angeboten wird. Der Hochschulrat der HfH, bestehend aus dreizehn Schweizer Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein, bewilligt schliesslich den konsekutiven Master. Massgeblich zu diesem Erfolg hat die Rektorin der HfH, Prof. Dr. Barbara Fäh, beigetragen, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Mitarbeitenden des Studiengangs Psychomotoriktherapie.

Chronologie

  • 2015. Curriculumsrevision im Studiengang Psychomotoriktherapie findet statt.
  • 2017. Der neu definierte Berufsauftrag (nBA) für Therapeutinnen (Logopädie und Psychomotoriktherapie) wird gemäss den Empfehlungen der Berufsverbände und des Volksschulamts (VSA) im Kanton Zürich umgesetzt. Arbeitsbereiche in der Psychomotoriktherapie wie Prävention, Diagnostik, Therapie, Beratung, Weiterbildung werden dadurch festgelegt.
  • 2018. Der Studiengang Psychomotoriktherapie wird in Co-Leitung von Dr. Iris Bräuninger und Myrtha Häusler geführt.
  • 2020. Dr. Iris Bräuninger und Olivia Gasser-Haas leiten gemeinsam den Studiengang Psychomotoriktherapie.
  • 2021. Pensionierung von Prof. Susanne Amft, Prof. Dr. Dennis Hövel übernimmt die Leitung des Instituts für Verhalten, sozio-emotionale und psychomotorische Entwicklungsförderung.
  • 2021. Die EDK entscheidet im Rahmen der «Totalrevision Anerkennungsreglemente päd.-therapeutische Berufe», dass die Psychomotoriktherapieausbildung in der Schweiz auf Bachelor- wie auch auf Masterniveau berufsbefähigend geführt werden kann.
  • 2021. Der Hochschulrat der HfH bewilligt den konsekutiven Master in Psychomotoriktherapie, das heisst einen berufsbefähigenden Bachelorstudiengang und einen spezialisierten Masterstudiengang in Psychomotoriktherapie. Der Beginn des konsekutiven Masters ist für Sommer 2023 geplant.

Literatur

  • Degen-Cuonz, U. (2019). Psychomotorikausbildung in Zürich. In: Stadt Zürich Schulamt (Hrsg.): 50 Jahre Psychomotoriktherapie in der Stadt Zürich.
  • Kobi, E. (1999). Zur Entstehungsgeschichte der Psychomotorik-Therapie in der Schweiz. In: Kobi, E.: Heilpädagogik als, mit, im System. S. 125–130. Luzern: Edition SZH.

  • Macchi, A. (2019). Geburtsstunde der Psychomotoriktherapie. Anfänge der Praxis und Lehre in Zürich. In: Stadt Zürich Schulamt (Hrsg.): 50 Jahre Psychomotoriktherapie in der Stadt Zürich.

  • Sägesser Wyss, J., & Gasser-Haas, O. (2021). Entwicklungen in der Schweizer Psychomotoriktherapie. motorik, Zeitschrift für Psychomotorik in Entwicklung, Bildung und Gesundheit, 44 (4),161–165. Zum Abstract

  • Amft, S., Boveland, B., Hensler Häberlin, K. & Uehli Stauffer, B. (2012) Mitschwingen und Resonanzbereitschaft. Eine Studie zu den theoretischen Konzeptionen und beruflichen Selbstverständnis von Psychomotoriktherapeutinnen, motorik, 35 (3), 110-117

  • Uehli Stauffer, B. & Hensler Häberlin, K. (2013). Resilienz und Psychomotoriktherapie. Die Bedeutung von Beziehungsgestaltung und Selbstwirksamkeit für die Bewältigung von belastenden Lebensumständen. heilpädagogik aktuell. 9.2.

  • Amft, S., Boveland, B., Hensler Häberlin, K. & Uehli Stauffer, B. (2011). Das integrative Potential der Psychomotorik zur Förderung sozio-emotionaler Kompetenzen. In B. Lütje-Klose, M.-T. Langer, B. Serke & M. Urban (Hrsg.) Inklusion in Bildungsinstitutionen - Eine Herausforderung an die Heil- und Sonderpädagogik. Bad Heilbronn: Klinkhardt.