Reportage

Frühe Förderung steigert spätere Bildungschancen

Wenn Kleinkinder aus belasteten Familien ab Geburt gefördert werden, zeigen sie im Kindergarten bessere Deutschkompetenzen, stabilere Emotionen und eine höhere Selbstregulation. Das zeigt der Einblick in den Zwischenstand von ZEPPELIN, einer gross angelegten Längsschnittstudie.

Kontakt
Andrea
Lanfranchi
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Prof. Dr.
Funktion
Leiter Institut für Professionalisierung und Systementwicklung / Professor
Tel. (weitere)
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andrea.lanfranchi [at] hfh.ch
Alex
Neuhauser
Titel
Dr. phil.
Funktion
Senior Researcher
E-Mail
alex.neuhauser [at] hfh.ch

Das Neugeborene ist erst wenige Tage alt. Und doch deutet jetzt schon vieles darauf hin, dass es in der Schule und bei der Berufswahl erhebliche Probleme haben wird. Denn die fremdsprachige Familie ist in der Gemeinde isoliert, die Verwandten leben tausende Kilometer entfernt, der Vater ist arbeitslos und die finanzielle Lage prekär.

Aus Studien weiss man: Kinder aus solchen psychosozial belasteten Familien haben tiefere Bildungschancen. Um diese zu verbessern, braucht es eine Förderung von der Geburt an – so nimmt man an. Und genau hier setzt die Längsschnittstudie ZEPPELIN an. Sie untersucht, welche Auswirkungen eine Intervention mit dem Programm «PAT – Mit Eltern Lernen» hat. Zentraler Baustein sind Hausbesuche bei belasteten Familien mit Kleinkindern – jede zweite Woche, drei Jahre lang. In der Folge wurde periodisch untersucht, welche Langzeiteffekte diese Interventionen haben – auf die Eltern, auf deren Kinder sowie auf die Beziehung zwischen beiden. Als Kontrollgruppe dienen Kinder aus ähnlich belasteten Familien, die aber kein spezifisches Förderprogramm absolviert haben. Einer dieser Messzeitpunkte lag im Kindergarten. Dort zeigte sich: Die frühe Förderung wirkt. Doch was heisst das genau? Dies erörterten wir im Gespräch mit Alex Neuhauser, dem operativer Projektleiter von ZEPPELIN.

Video-Interview mit Alex Neuhauser über die Effekte der frühen Förderung

«Die Effekte der frühen Förderung sind ein Vorteil für das Lernen und die sozio-emotionale Entwicklung des Kindes», sagt Alex Neuhauser. Im Kindergarten zeigen sich die Effekte in den Bereichen Deutschkompetenz, Selbstkontrolle und Verhalten auf mehreren Ebenen. Die Kinder aus der Interventionsgruppe verstehen beispielsweise die Anweisungen der Lehrperson besser als Kinder aus der Kontrollgruppe. Sie können ihre Bedürfnisse und Impulse so kanalisieren, dass sie sich länger in eine Aufgabe verbeissen können. Und sie haben soziale Fähigkeiten entwickelt, die es ihnen erlauben, adäquat mit den anderen Kindern umzugehen. All dies bewirkt, dass diese Kinder stärker vom Unterricht profitieren. Dadurch erhöhen sich ihre Bildungschancen.

Die Grafik zeigt die Intervention, die Effekte und die Auswirkungen des Forschungsprojekts.

Mit den vielversprechenden Ergebnissen aus dem Kindergarten hat das Projekt einen wichtigen Meilenstein hinter sich. Doch die eigentliche Nagelprobe steht noch bevor: Lassen sich die positiven Effekte von früher Förderung auch dann noch nachweisen, wenn die Kinder in der Primarschule sind, wenn sie in die Lehre kommen, erwachsen werden? Die Auswertungen für die erste Klasse sollen in Kürze vorliegen. Aber für Prof. Dr. Andrea Lanfranchi, strategischer Projektleiter von ZEPPELIN, ist bereits jetzt schon klar: Frühe Förderung lohnt sich. Im Video erklärt er, weshalb – und wie die Bedeutung der Studie einzuordnen ist.

Video-Interview mit Prof. Dr. Andrea Lanfranchi über den Einfluss von früher Förderung

Autoren: Dr. Steff Aellig und Dr. Dominik Gyseler, HfH-Wissenschaftskommunikation