FALKE – Frühe autismusspezifische logopädische Kommunikationsförderung in Erprobung

Projekt

Ausgangslage und Ziele

Aus der Perspektive der Fachdisziplin Logopädie stellt sich aktuell die hoch relevante und zugleich drängende Frage, wie sie im Rahmen der gegenwärtigen Entwicklungen und Rahmenbedingungen in der Schweiz ihren Beitrag zu einer autismusspezifischen, evidenzbasierten Förderung einer klassischen Zielgruppe, der jungen Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung, leisten und sichtbar machen kann.

Dieser Frage folgend wird im Projekt FALKE das evidenzbasierte Therapieprogramm A-FFIP (Autismusspezifische Therapie im Vorschulalter) auf den Kontext der frühen logopädischen Kommunikationsförderung im Rahmen von Einzelfallstudien übertragen und wissenschaftlich evaluiert.

Projektleitung

Wolfgang G.
Braun
Titel
Prof.

Funktion

Senior Lecturer, Leiter Förderzentrum

Andreas
Eckert
Titel
Prof. Dr.

Funktion

Professor für Kommunikation und Partizipation bei Autismus-Spektrum-Störungen

Fakten

  • Dauer
    02.2022
    12.2023
  • Neue Projektnummer
    4_52

Zielsetzungen und Forschungsfragen

Die Untersuchung der Möglichkeiten einer autismusspezifischen Professionalisierung früher logopädischer Therapieangebote ist die zentrale Zielsetzung dieses Forschungsprojektes.

Die grösste inhaltliche und organisatorisch strukturelle Nähe des evidenzbasierten Therapieprogramms A-FFIP zu den Anwendungsmöglichkeiten einer frühen autismusspezifischen logopädischen Kommunikationsförderung im sozialpolitischen Kontext der Schweiz lässt den Transfer dieses Programmes für die Interventionsplanung in den Vordergrund rücken.

A-FFIP ist bislang nicht auf den logopädischen Kontext übertragen worden, bietet zugleich zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Förderung kommunikativer Kompetenzen von jungen Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung. Die Erweiterung des Programms um «grundlegende sprachtherapeutische Kompetenzen» stellt eine weitere Zielsetzung dar.

Folgende Forschungsfragen werden dabei handlungsleitend sein:

  • In welcher Form kann das evidenzbasierte Therapieprogramm A-FFIP in der logopädischen Praxis bei Kindern mit einer diagnostizierten Autismus-Spektrum-Störung im Alter von zwei bis vier Jahren angewendet werden?
    • Welche logopädiespezifischen Anpassungen sind notwendig?
    • Welche logopädiespezifischen Erweiterungen sind förderlich?
  • Wie wirken sich diese logopädiespezifischen Anpassungen und Erweiterungen aus, auf
    • das Erleben der Therapiesituation?
    • das Kompetenzerleben der Therapeut:innen?
    • das Erleben der Eltern?

Um diese Fragen beantworten zu können, wird eine Interventionsstudie durchgeführt, in deren Vordergrund die Machbarkeit des Transfers einer evidenzbasierten Therapie auf den logopädischen Kontext steht.

Interventionsstudie

Den strukturellen Rahmen für die Durchführung der Interventionsstudie bilden erstens die räumlichen Möglichkeiten der Therapie-Lehr-Praxis der Hochschule für Heilpädagogik und zweitens die Verknüpfung des Angebotes mit der Ausbildung im Studiengang Logopädie.

Zielgruppe der Interventionen sind Kinder im Alter von drei bis vier Jahren mit einer diagnostizierten Autismus-Spektrum-Störung und einem Förderbedarf im Bereich der Kommunikation und Sprache.

Nach einer Zuweisung sind folgende Schritte vorgesehen:

  1. Elterngespräch(e) zur Anamnese, Aufklärung und Förderplanung
  2. Wöchentliche Therapiestunden mit Hospitationsmöglichkeiten für die Eltern
  3. Begleitende Elterngespräche
  4. Fachliche Therapiebegleitung (Intervision und Supervision)

Dokumentation und Evaluation

Ausgehend von den dargestellten Forschungsfragen findet die Dokumentation und Evaluation der Interventionsstudie auf den folgenden Ebenen statt:

Abb. 1: Überblick Evaluation FALKE
Abb. 1: Überblick Evaluation FALKE

Beschreibung der Grafik. Die Ebenen sind untereinander verbunden und bestehen aus: Therapiesituation (Video-Dokumentation mit kriteriengeleiteter Auswertung, Dokumentenanalyse, Leitfadeninterviews Fachpersonen), Kind (Auswertung Anfangs- und Verlaufsdiagnostik, kriteriengeleitete Videoanalyse), Umfeld (Leitfadeninterviews mit Eltern) und Fachpersonen (Leitfadeninterviews). Sie werden kommunikativ validiert durch Qualitätszirkel.

Folgerungen für die Praxis

Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse wird die Entwicklung konzeptioneller Empfehlungen für eine frühe logopädische Kommunikationsförderung für Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung in der Zeit vor dem Kindergarten angestrebt.

Die Konzipierung von Weiterbildungen und Dienstleistungen zur «Frühen autismusspezifischen logopädischen Kommunikationsförderung» stellt eine weitere mögliche praxisorientierte Ableitung dar.

Publikationen

  • Eckert, A., & Braun, W. G.
    (2022).
    Logopädie für junge Kinder im Autismus-Spektrum.
    heilpädagogik aktuell,
    (36),
    6.