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Früherkennung

Die Bestimmung und die frühe Erkennung von Risikofaktoren sind eine zentrale Aufgabe der logopädischen Präventionsarbeit. Ziel muss es sein, dass das Umfeld des Kindes Entwicklungsauffälligkeiten zuverlässig und frühzeitig erkennt und entsprechende Handlungsschritte eingeleitet werden. Um nicht-logopädischen Fachpersonen diese Aufgabe zu erleichtern, entwickelten wir in den letzten Jahren Instrumente der Früherkennung, die „Kompasse“.

Es handelt sich bei diesen Entscheidungshilfen um Beobachtungsbögen, die sich nicht als Diagnoseverfahren verstehen, sondern Hilfestellungen für die Entscheidung des weiteren Vorgehens für Fachpersonen und Eltern geben. Weist das Kind aufgrund der Ergebnisse ein Entwicklungsrisiko auf, werden eine Beratung und eine Abklärung bei einer Logopädin empfohlen. Risiko und damit Ansatzpunkte der Früherkennung und Beratung definieren sich über interagierende bio-psycho-soziale Merkmale. Diese Merkmale spiegeln sich in den Items der Entscheidungshilfen wider.

Die Kompasse wurden auf der Basis von Literaturrecherchen und Experteninterviews entwickelt und sind einheitlich strukturiert. So erhalten z. B. die Leser bei jedem Kompass auf der Innenseite der Mappe kompakte spracherwerbstheoretische Informationen in tabellarischer Form.

Die Kompass können im Zehner-Paket für 15.- CHF exkl. Porto und Versand per E-Mail logopaedieundpraevention[at]hfh.ch logopaedieundpraevention als hochwertige Hardcopy-Version bestellt werden.

Redeflusskompass 3.0 und Stotterkompass im komplementären Einsatz

 

Ausgangslage und Ziele
Der RedeflussKompass (RfK) ist Teil der Kompassfamilie, die als Instrumente zur Früherkennung von Sprach, Sprech- und Redeflussstörungen konstruiert wurden (Braun & Steiner, 2012 a,b und Braun, 2012). Die Version 2.0 des RfK wurde in einem aufwändigen mixed-methods Verfahren hinsichtlich seiner Güte und Praktikabilität untersucht (Kohler, 2014; 2015 a,b und Kohler & Braun, 2015). Im Ergebnis dieses Forschungsprojektes wurde ein anwenderorientiertes Instrumentarium vorgeschlagen. Dieses besteht einerseits aus einer Weiterentwicklung des RedeflussKompasses für Laien (z.B. Eltern, Erzieherinnen) und andererseits aus einem neu konzipiertem Instrument (= der StotterKompass 1.0), welches dem Grundlagenwissen von nicht auf Stottern spezialisierten Logopädinnen angepasst ist.

Dieses komplementäre Instrumentarium soll nun einer empirischen Überprüfung zugeführt werden.

Fragestellung
Die übergeordnete Fragestellung zur Evaluation des Einsatzes von Redeflusskompass 3.0  und Stotterkompass 1.0 ist die nach der Güte der daraus abgeleiteten Entscheidungen und Vorgehensweisen. Ausserdem soll ein Online-Medium entstehen mit Film- und Audiomaterial, welches Logopädinnen bei der Identifikation des beginnenden Stotterns unterstützt. Es soll die Frage beantwortet werden, inwieweit ein Online-Medium tatsächlich eine Verbesserung beim Erkennen und Erfassen des frühkindlichen Stotterns bringt.

Methodisches Vorgehen
Der methodische Ansatz besteht auf Grund der guten Erfahrung im Vorgängerprojekt (siehe oben und Subsite, Kapitel Früherkennung) aus einer Mischung aus quantitativen und qualitativen Strategien. Es sollen die für ein Screening wichtigsten Gütekriterien Sensitivität und Spezifität bestimmt werden. Die Inter-Rater-Reliabilität und die Kriteriumsvalidität sollen ebenfalls bestimmt werden. Mögliche Stolpersteine der Durchführung werden durch qualitative Verfahren wie Interviews und Videoanalysen beschrieben. Die Nützlichkeit des Online-Mediums wird durch ein experimentelles Design geprüft.

Ergebnisse
Es soll ein empirisch gut abgesichertes Verfahren entstehen, welches seine hohe Nützlichkeit für die Früherkennung und Früherfassung von beginnendem Stottern bewiesen hat. Fachpersonen, die in irgendeiner Art und Weise mit dem Phänomen des beginnenden Stotterns in Berührung sind herzlich eingeladen bei diesem Forschungsprojekt zu kooperieren und melden sich gerne bei Jürgen Kohler.

Publikationen

  • Braun, W.G. & Steiner, J. (2012a): Prävention und Gesundheitsförderung in der Sprachentwicklung. Eine Einführung mit Materialien. 1. Auflage Ernst Reinhardt Verlag, München.
  • Braun, W.G. & Steiner, J. (2012b). Kooperativ früh Stärken nutzen und Risiken begegnen. Forum Logopädie 5 (26), 24 - 29
  • Braun, W.G. (2012). Früherkennung von Sprachauffälligkeiten darf kein Zufall sein. Kita aktuell spezial 02.2012, 11-13
  • Kohler, J. (2014). Normale Sprechunflüssigkeiten oder beginnendes Stottern? Empirische Überprüfung des Redeflusskompasses. Tagungsband des 41. Kongress Stottern und Selbsthilfe, 53-58.
  • Kohler, J. & Braun, W.G. (2015): Die Früherkennung und die Früherfassung des beginnenden Stotterns. In: Forum Logopädie 2 (29), 6 -12
  • Kohler, J. (2015a): Die Früherfassung des beginnenden Stotterns. Frühförderung interdisziplinär 1 (34), 32 – 45.
  • Kohler, J. (2015b). Empirische Überprüfung des Redeflusskompasses. Idstein: Schulz-Kirchner-Verlag 

 

 

 

 

 

Kompasse im Überblick

RedeflussKompass 3.0

Die Früherfassung von Kindern mit Sprechunflüssigkeiten hat präventiven Charakter. Die Kriterien für eine differentialdiagnostische Erfassung von Sprechunflüssigkeiten im frühen Kindesalter gehen über die Symptomatik hinaus und stellen das Individuum ins Zentrum eines Gefüges, das aus physiologischen, psycholinguistischen und psychosozialen Variablen besteht. Die hier als Download dargebotene Entscheidungshilfe ‚RedeflussKompass Version 3.0' soll einen Beitrag zur Früherfassung und Weiterweisung von unflüssig sprechenden Kindern mit Stotterverdacht leisten. Im Rahmen des HfH-Forschungsprojektes ‚Empirische Abstützung des RedeflussKompasses' unter Leitung von Prof. Dr. J. Kohler wurde die Entscheidungshilfe evaluiert und weiterentwickelt. Der RedeflussKompass 3.0 grenzt nun die Personen, die mit dem Früherfassungsinstrument arbeiten, ein. Die Version 3 ist ein Instrument, welches für Laien (Bezugspersonen, Erzieherinnen, Spielgruppenleiterinnen etc.) eine Hilfe zur Früherkennung von Stottern ist.

SprachverständnisKompass

Der SprachverständnisKompass ist eine Entscheidungshilfe für Fachpersonen im Frühbereich, die bei der Entscheidung über die Notwendigkeit einer logopädischen Beratung oder Abklärung unterstützen soll. Kinder im Alter von 3;0 bis 4;6 Jahren mit Auffälligkeiten beim Verstehen von Sprache sollen frühzeitig erkannt werden. Der Kompass kann ein Hilfsmittel für eine Einleitung einer eventuellen logopädischen Intervention sein. Er stellt in der Zusammenarbeit Eltern – Fachpersonen im Frühbereich – Logopädie eine Gesprächsgrundlage in der Förderplanung dar. Der SprachverständnisKompass, der für Kinder mit Erstsprache Deutsch konzipiert ist, ist eine informelle Entscheidungshilfe und kein evaluiertes diagnostisches Instrument.

SpracherwerbsKompass

Die Früherfassung von Kindern mit Sprachauffälligkeiten hat präventiven Charakter. Der SpracherwerbsKompass ist eine Entscheidungshilfe, die im Frühbereich tätigen Fachpersonen wie beispielsweise Kleinkinderzieher- Innen oder KinderärztInnen die Entscheidung erleichtern soll, ob eine logopädische Beratung oder Abklärung zu empfehlen oder einzuleiten ist. Dabei soll es im Sinne sekundärer Prävention Ziel sein, Kinder im Alter von 2;6 bis 4;0 Jahren mit einem Risiko für spezifische Spracherwerbsstörungen und Sprachauffälligkeiten zu erkennen, um allenfalls logopädische Interventionen einleiten zu können. Der SpracherwerbsKompass ist für Kinder mit Erstsprache Deutsch konzipiert, die keine sensorischen, schwerwiegend neurologischen, emotionalen oder kognitiven Schädigungen aufweisen.

Er enthält Beobachtungskriterien zu Sprachproduktion, Kommunikation, Spiel- und Sozialverhalten. Es muss betont werden, dass es sich beim SpracherwerbsKompass nicht um ein evaluiertes diagnostisches Instrument, sondern um eine informelle Entscheidungshilfe handelt.

 

LautspracherwerbsKompass

Der LautspracherwerbsKompass ist eine Entscheidungshilfe für Kindergartenlehrpersonen, die bei der Entscheidung über die Notwendigkeit einer logopädischen Beratung oder Abklärung unterstützen soll. Kinder im Alter von 4;0 bis 6;0 Jahren mit lautsprachlichen Auffälligkeiten sollen frühzeitig erkannt werden.

Der Kompass kann ein Hilfsmittel für eine Einleitung einer eventuellen logopädischen Intervention sein. Er stellt in der Zusammenarbeit Kindergarten – Logopädie eine Gesprächsgrundlage in der Förderplanung dar. Er wurde für Kinder mit Deutsch als Erstsprache konzipiert.

SchreiberwerbsKompass

Der SchreiberwerbsKompass (SEK) ist das Produkt einer interdisziplinären Entwicklung (Logopädie und Psychomotorik) und stellt eine Entscheidungshilfe für Erstklassenlehrpersonen dar. Der SEK soll entscheiden helfen, ob bei Auffälligkeiten im Schreiberwerb in der ersten Klasse eine weiterführende Abklärung oder Beratung bei einer

Fachperson einzuleiten ist. Bei der Entwicklung von Beobachtungsitems wurden logopädische und psychomotorische Aspekte des beginnenden Schreiberwerbs berücksichtigt.

LesekompetenzKompass

Der LesekompetenzKompass ist eine Entscheidungshilfe für Lehrpersonen von 1. Klassen. Er erleichtert die Entscheidung, ob eine Beratung bzw. Abklärung bei der zuständigen Fachperson (Logopädin, Legasthenietherapeutin) einzuleiten ist. Im Sinne der sekundären Prävention ist es das Ziel, Kinder mit einem Risiko im Leseerwerbsprozess früh zu erkennen. Weiter dient der Kompass als Kommunikationsbasis für den Austausch von Lehrpersonen, Fachpersonen und Eltern über Leseleistungen des Kindes.

Der Kompass enthält Beobachtungskriterien zu Voraussetzungen des Lesens, dem Leselernprozess und weiteren auf das Lesen einwirkenden Faktoren. Die Kriterien können allesamt im Unterricht beobachtet oder bei der Kindergartenlehrperson oder den Eltern erfragt werden.

Der LesekompetenzKompass ist für Kinder mit Erstsprache Deutsch konzipiert. Wir möchten Lehrpersonen dazu ermutigen, frühzeitig eine Fachperson zur Beratung oder Abklärung beizuziehen. Die sensible Phase des Leseerwerbs sollte möglichst reibungslos und mit Freude erfolgen. Rechtzeitige Beratung und Unterstützung bei Mühen sind unerlässlich.

SchweigeKompass

Der SchweigeKompass ist eine Entscheidungshilfe für Fachpersonen zur Früherkennung von selektiv mutistischen Kindern im Alter zwischen 3;0 und 7;6 Jahren. Es liegt ein Beobachtungsbogen mit 14 Items vor, die eine Abklärung oder Beratung bekräftigen. Der ‚SchweigeKompass’ gibt Auskunft darüber, ob das Schweigen eines Kindes weiterer Abklärung oder Beratung bedarf. Die Anwendung des ‚SchweigeKompasses’ richtet sich an die folgenden Fachpersonen: Kindergärtnerinnen, Lehrpersonen der 1. Klasse sowie Logopädinnen.

Kontakt

HfH Wolfgang Braun
HfH Jürgen Steiner
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